Eine Feier des Theaters
Claudio Monteverdis «L’incoronazione di Poppea» bedarf keiner speziellen Aktualisierung. Es ist praktisch unmöglich, angesichts des Machthabers Nero nicht ohnehin an den einflussreichsten Politiker der aktuellen westlichen Welt zu denken. Wer dem römischen Kaiser widerspricht, wer sich bei seinen aus dem Moment geborenen Plänen als unelastisch erweist, muss weg.
Der Philosoph Seneca zum Beispiel.
Stoisch verblutet er in Darmstadt in einer Badewanne, nachdem Johannes Seokhoon Moon in friedlicher Garten-Atmosphäre seinen wunderbaren Bass verströmt und sich symbolisch die Pulsadern mit einer Heckenschere geöffnet hat. Oder die Kaiserin Ottavia. Megan Marie Hart mit einem zu hochdramatischen Momenten fähigen Sopran tritt den Gang in die Verbannung mit einer großen Arie an. Die Diva schreitet, leidet, klagt an. Es ist klar, dass das Theater ist. Alles hier ist Theater. Das Leben spiegelt sich darin wie zwischendurch das Publikum in einem großen Spiegel, der alles schummrig und verschoben zeigt, aber man erkennt doch alles. Und sich selbst erkennt man auch. So soll es sein, wenn etwas auf die Bühne kommt.
«L’incoronazione di Poppea» am Staatstheater Darmstadt feiert die Musik und das ...
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Opernwelt Juni 2026
Rubrik: Panorama, Seite 62
von Judith von Sternburg
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Der Kapellmeister und der geigende Seeräuber vereint beim Musizieren: Als Klaus Tennstedt 1991 noch einmal nach Hamburg zum Symphonieorchester des NDR zurückkehrte, traf er auf Nigel Kennedy, der als Künstler damals noch ernst zu nehmen war. Man spielte Beethovens Violinkonzert: hier der Mann im Frack, da ein Halbstarker mit seltsamer Frisur und einem Tuch um die...
