Horror und Humor
Niccolò Jommelli mag ein dicklicher Plumpsack gewesen sein, zudem streitbar und unermüdlich schnell beim Komponieren, doch er war ohne Zweifel auch einer der wichtigsten Komponisten seiner Zeit. Sechzehn Jahre, von 1754 bis 1769, belieferte er den württembergischen Hof von Carl Eugen mit neuen Opern. Dass Leopold Mozart mit seinem Filius an diesem Hof nicht so empfangen wurde, wie erhofft, und eine giftige Philippika schrieb, sollte man nicht allzu hoch hängen.
Wichtiger ist, dass Jommelli wie der gleichaltrige Gluck und der etwas jüngere Traetta in einer heiklen, späten und verworrenen Phase der Operngeschichte die Fäden zusammenzog. Er mischte italienische und französische Elemente nicht mehr oder weniger, sondern anders als die genannten Kollegen – nur dass Gluck besser auf der Klaviatur der Medien spielte und sich gezielter international vermarktete.
Jommellis «Fetonte» wurde an der Stuttgarter Staatoper bereits 1986 wiederentdeckt – eine schöne Produktion, in der Axel Manthey die barocke Maschinenbühne neu erfand, leider jedoch musikalisch stark bearbeitet (Dirigent: Wolfgang Gönnenwein). Ein Jahrzehnt später machte Frieder Bernius einen Vorstoß in Richtung «Alte Musik» und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Stephan Mösch
Peter Konwitschny (Regisseur): Woher kommt unser Theater? Es ist in Griechenland entstanden. Und zwar in Zusammenhang mit der Entstehung der Polis, einer demokratischen Verfassung, des Staates. Im Zentrum stand der Dialog. Alle freien Bürger gingen ins Theater und diskutierten über das, was sie gesehen hatten. «Die Perser» zum Beispiel. Oder «Antigone». Das war...
Gleich in der ersten Szene erscheinen Amando und Amanda als Sophie und Octavian aus dem «Rosenkavalier»: Und wäre nicht zuvor Ligetis schräge Autohupenfanfare erklungen – man wähnte sich im falschen Stück. Die Essener Philharmoniker unter Dima Slobodeniouk intonieren den flirrenden Klangzauber dieser Passage so süffig, und Elizabeth Cragg und Karin Strobos singen...
Die letzte gründliche Weber-Biografie, verfasst von dem englischen Musikkritiker John Warrack, erschien erstmals 1968. Inzwischen haben die Arbeiten an der neuen Gesamtausgabe unsere Kenntnis von Webers Leben und Werk um zahllose bislang unbekannte Quellen vermehrt. Die Schriften, Tage- und Kassenbücher und die Korrespondenz des Komponisten sowie weitere Dokumente...
