«Wenn ich keine Oper unter den Fäusten habe, ist mir nicht wohl!»
Die letzte gründliche Weber-Biografie, verfasst von dem englischen Musikkritiker John Warrack, erschien erstmals 1968. Inzwischen haben die Arbeiten an der neuen Gesamtausgabe unsere Kenntnis von Webers Leben und Werk um zahllose bislang unbekannte Quellen vermehrt. Die Schriften, Tage- und Kassenbücher und die Korrespondenz des Komponisten sowie weitere Dokumente aus seinem Umfeld sind auf der Homepage der Ausgabe erfasst. Zeit also für eine neue Gesamtdarstellung. Christoph Schwandt, der bereits mit Biografien von Bizet, Janácek und Verdi hervorgetreten ist, legt sie jetzt vor.
Schwandt breitet eine geradezu einschüchternde Faktenfülle aus, die Webers Leben in einer Dichte und Tiefe verfolgt, die überwältigt. Nichts scheint ihm entgangen zu sein, jede Spur wird verfolgt – von der Geburt in Eutin 1786 bis zum Tod des Schwindsüchtigen in London 1826. Licht fällt dabei vor allem auf den Theateralltag sowie auf die sozialen Verhältnisse, unter denen Musiker damals tätig waren. Als Sohn eines wandernden Theaterunternehmers wächst Weber gleichsam unterwegs und auf der Bühne auf, bleibt selten sesshaft, lernt frühzeitig die Entbehrungen kennen, hat aber auch das Glück, dass sein Talent ...
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Opernwelt April 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 32
von Uwe Schweikert
Es war ein milder Spätssommertag, dieser 9. September. Wir saßen in einem Straßencafé an der Place de la Bastille. Skateboard-Fahrer knallten gegen die Betontrassen der Opéra, es roch nach Verkehr und süßen Crêpes. Dass Gerhard Rohde Geburtstag hatte, kam eigentlich nur heraus, weil Charlotte Oswald, seine Lebensgefährtin, es ansprach. Er selbst machte nie...
Serge Dorny lehnt sich zurück und weist in die Ferne. In seinem gläsernen Büro hoch über Lyon räsoniert der Opernintendant über Interaktionen mit den Stadtteiltheatern oder dezentrale Kultur- und Bildungsprojekte, welche die drittgrößte französische Stadt und ihre sozialen Problemviertel so bitter nötig haben. «Für mich sind kulturelle Aktivitäten in diesen...
Als Michael Spyres triumphal sein hohes E in den Saal geschleudert hatte, nur um am Ende doch mit seiner ebenfalls bewundernswert höhensicheren Belcanto-Geliebten Joyce El-Khoury unter klingender Anteilnahme von Mark Elder und dem Orchestra of the Age of Enlightenment (OAE) von hungrigen Löwen verspeist zu werden, tobte das Publikum in der Londoner Royal Festival...
