Gefangen in der Wiederholungsmaschine?
Peter Konwitschny (Regisseur): Woher kommt unser Theater? Es ist in Griechenland entstanden. Und zwar in Zusammenhang mit der Entstehung der Polis, einer demokratischen Verfassung, des Staates. Im Zentrum stand der Dialog. Alle freien Bürger gingen ins Theater und diskutierten über das, was sie gesehen hatten. «Die Perser» zum Beispiel. Oder «Antigone». Das war keine Unterhaltung. Da wurden existenzielle Themen verhandelt, die alle angingen. Das Theater war nicht irgendeine Nebensache, es stand mitten im Leben, mitten in den Auseinandersetzungen.
Ich finde, dass Theater heute nichts anderes ist. Die Stücke, ob Musiktheater oder Schauspiel, drehen sich um unsere innersten Probleme. Wenn man «Die Perser» ernst nehmen würde – natürlich setze ich eine gute Inszenierung voraus –, dann käme kein Mensch mehr auf die Idee, Krieg zu führen. Theater hat immer auch einen Auftrag. In diesem Sinn ist es für mich politisch.
Lydia Steier (Regisseurin): Ich bin in den USA aufgewachsen. Dort gibt es kein politisches Musiktheater. Jedenfalls keines, das mit der zeitgenössischen Theaterkultur in Deutschland vergleichbar wäre. Das würde niemand finanzieren. Und deshalb bekommt es auch niemand zu ...
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Opernwelt April 2015
Rubrik: Politisches Musiktheater, Seite 24
von
Streng abgezäunt sind die drei Biotope, und in allen wird reich geerntet. Hier die Bayerische Staatsoper mit ihren kulinarischen Stückbefragungen und dem weltklassigen musikalischen Niveau, dort das Gärtnerplatztheater, Münchens klingende Volksbühne – und dann gibt es noch die Bayerische Theaterakademie, die regelmäßig mit ihren Ausgrabungen Neugier weckt. Etwa mit...
Herr Tcherniakov, kürzlich haben Komponisten, Sänger, Regisseure, Bühnenbildner, Operndirektoren und Dramaturgen in Heidelberg einen ganzen Tag lang über «politisches Musiktheater heute» diskutiert. Können Sie mit diesem Begriff etwas anfangen? Hat er eine Bedeutung für Ihre Arbeit?
(überlegt lange) Es gab vielleicht mal Zeiten, in denen dieser Begriff wichtig war....
Frau Schneider, wie kam es eigentlich zum Fachwechsel?
Das hat sich so ergeben, da bin ich reingewachsen. Ich dachte immer, ich singe die Königin, bis ich 50 bin ... Die Stimme hat sich allerdings anders entwickelt, und ich bin gottfroh darüber. Die Donna Anna in Stuttgart wollte ich damals adäquater singen, breiter, dicker im Ton. Das war der erste Schritt. Noch...
