Hörtheater
Das Grauen nistet meist dort, wo wir es am wenigsten vermuten. Zwischen den Grashalmen eines Vorstadtgartens. Oder in einer Yuppie-Wohnung. Plötzlich ist es da, und niemand kann sagen, woher es gekommen ist. Das verwesende, von Ungeziefer befallene Ohr, das Jeffrey in «Blue Velvet» auf dem Rasen findet. Die privaten Videos, die Renée und Fred in «Lost Highway» anonym zugeschickt werden. Von dieser Art sind die Motive, aus denen der amerikanische Filmregisseur David Lynch seine raffiniert kalkulierten Schreckensszenarien entwickelt.
Ihr beklemmender Sog hängt damit zusammen, dass Lynch die Dinge immer in der Schwebe hält. Seine Geschichten gehorchen nicht den Gesetzen von Ursache und Effekt. Ihr Prinzip ist die Assoziation, ihre Energie die Obsession. Weder die Figuren noch die Zuschauer begreifen, was ihnen widerfährt.
Es ist eben diese Instabilität, diese Außerkraftsetzung der Orientierung, diese Verunsicherung der Wahrnehmung, die Olga Neuwirth an Lynchs Filmkunst interessiert. Weil sie das Vertraute aus den Angeln hebt und damit neue Perspektiven, neue Horizonte öffnet. «Musiktheater, wie ich es mir vorstelle: Kein Anfang, keine Mitte, kein Ende; ... Alltägliches neben ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Pressekonferenzen des derzeitigen Direktors der Wiener Staatsoper haben stets etwas von Kabarett. Ioan Holenders Kommentare zur österreichischen Kulturpolitik – etwa zum Ende März veröffentlichten neuen Kulturbudget – lassen an Schärfe nie zu wünschen übrig. «Zehn Millionen Mehrbedarf mindestens hat man ausgerechnet für alle drei Häuser, und jetzt sind es...
Frau Valayre, bevor Sie Sängerin geworden sind, haben Sie Anglo-Amerikanisitk studiert und an einer Dissertation über die amerikanische Filmkomödie gearbeitet. Haben Sie die fertiggestellt?
Ja, sicher. 250 Seiten! Über den Einfluss der amerikanischen Leinwandheldinnen auf die amerikanischen Frauen zwischen 1930 und 1955.
Also Schauspielerinnen wie Katharine Hepburn.
J...
Schwein oder nicht Schwein? Vor den Toren des Mecklenburgischen Staatstheaters in Schwerin ist die hamletisch angewehte Frage rasch geklärt. Ein Schweinehund sei dieser Don Giovanni, den man sogleich erleben werde, befinden zwei Damen nach Durchsicht des (im Übrigen lesenswerten) Programmbuchs. Betritt wenig später Mikael Babajanyan in azurblauem Samtgewand...
