Hochzeit mit Hindernissen
Anno 972 erbt der deutsche Kaiser Otto II. den Thron des italienischen Reichs. Um die Macht zu stärken, plant Ottone, wie er fortan heißt, die byzantinische Kaisertochter Teofane zu ehelichen. Die Witwe Gismonda hingegen, deren Gatten man den Thron geraubt hat, will ihren Sohn Adelberto auf ebendiesem sehen.
Kurzerhand lässt sie die Braut entführen und versucht ihr den Sohn als Kaiser unterzujubeln. Die Dame aus herrschaftlichem Geblüt ist irritiert ob der nicht vorhandenen Ähnlichkeit mit dem ihr überreichten Porträt Ottones.
Es folgt ein verzwicktes, filmreifes Intrigenspiel um Macht, Verführung, erotische Anziehung, Treue und Verrat. Am Ende geht alles gut, inklusive Heirat, großzügigem Verzeihen und wiedergefundener Verwandtschaft. Aufgeladen ist das Ganze mit einer vokalen Virtuosität, die sogar im gewohnt üppigen Œuvre Georg Friedrich Händels herausragt. Am Badischen Staatstheater Karlsruhe brilliert bei der Eröffnung der Händelfestspiele der Countertenor Yuriy Mynenko als Ottone mit einem hellklaren und intonationssicheren Sopran. Mit großartiger Grandezza zelebriert er die halsbrecherischen Koloraturen und stellt sich in die Tradition des legendären Kastraten Senesino.
Mi ...
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Opernwelt April 2023
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Bernd Künzig
Da draußen in der Ukraine ist noch immer Krieg. Nach mehr als einem Jahr erscheint bei so manchen Menschen die Dauerbetroffenheit darob schon etwas scheinheilig. Die Frage des Für und Wider in Sachen Panzerlieferungen von deutscher Seite spaltet die Gesellschaft. Umso undenkbarer erscheint die Möglichkeit einer rein affirmativen Inansichtnahme von «Kriegsgerät» auf...
Zerborsten, ausgehöhlt wie eine Ruinenlandschaft klingt das Orchestervorspiel in Søren Nils Eichbergs «Oryx and Crake». Außer vereinzelten Glockenschlägen sind alle Klangfarben ausradiert. Erlahmt tönen die Instrumente in tief-rauem Spektrum. Vor diesem düsteren Tableau, das Dirigent Albert Horne mit dem Hessischen Staatsorchester präzise erschließt, lassen...
Leise rieselt der Schnee. Unablässig, dichter und dichter werdend, eine Stunde lang. Die Figuren müssen sich in dieser Winterlandschaft vorkommen wie der brave Hans Castorp aus Thomas Manns «Zauberberg», der sich bei einem Ausflug ins Gebirg’ zusehends verirrt und von den Schneemassen fast zugeschüttet wird. Eine Grenzerfahrung birgt auch Romeo Castelluccis...
