Keine leichte Kost

Buch des Monats: Stefan Zednik erkundet in seinem Buch «Die Mörder sitzen in der Oper!» mit kritischem Blick eine unzeitgemäße Kunst

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1917, auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs und in den Straßen der vernarbten Städte sterben seit Jahren völlig sinnlos Millionen von Menschen, schreibt Walter Hasenclever ein bitterbös-gnadenloses Gedicht: «Die Mörder sitzen in der Oper!» Und kaum gewaltiger könnte der Unterschied zwischen den Sphären sein, die der Dichter in scharfschneidende, expressionistisch verfinsterte Verse kleidet: «Ein Zug entgleist. Zwanzig Kinder krepieren. / Die Fliegerbomben töten Mensch und Tier. / Darüber ist kein Wort zu verlieren. / Die Mörder sitzen im Rosenkavalier.

» Zwei Jahre später wird das Gedicht veröffentlicht – «In memoriam Karl Liebknecht», jenes antimilitaristischen Sozialisten, der kurz zuvor, wie seine Mitstreiterin Rosa Luxemburg, von Mitgliedern der Garde-Kavallerie-Schützen-Division in Berlin brutal ermordet worden war. 

Es ist keine leichte Kost, die uns Stefan Zednik mit seinen «Erkundungen zu einer unzeitgemäßen Kunst» serviert. Die Lektüre lohnt dennoch, weil sie mit kritisch reflektierendem Blick auf die Repräsentationsform Oper schaut, auf ihre bizarre, bisweilen absurde historische Selbstvergessenheit, als einer Kunstgattung, die als höfische in die Welt kam und bis ...

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Opernwelt April 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 35
von Jan Verheyen

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