Keine leichte Kost
1917, auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs und in den Straßen der vernarbten Städte sterben seit Jahren völlig sinnlos Millionen von Menschen, schreibt Walter Hasenclever ein bitterbös-gnadenloses Gedicht: «Die Mörder sitzen in der Oper!» Und kaum gewaltiger könnte der Unterschied zwischen den Sphären sein, die der Dichter in scharfschneidende, expressionistisch verfinsterte Verse kleidet: «Ein Zug entgleist. Zwanzig Kinder krepieren. / Die Fliegerbomben töten Mensch und Tier. / Darüber ist kein Wort zu verlieren. / Die Mörder sitzen im Rosenkavalier.
» Zwei Jahre später wird das Gedicht veröffentlicht – «In memoriam Karl Liebknecht», jenes antimilitaristischen Sozialisten, der kurz zuvor, wie seine Mitstreiterin Rosa Luxemburg, von Mitgliedern der Garde-Kavallerie-Schützen-Division in Berlin brutal ermordet worden war.
Es ist keine leichte Kost, die uns Stefan Zednik mit seinen «Erkundungen zu einer unzeitgemäßen Kunst» serviert. Die Lektüre lohnt dennoch, weil sie mit kritisch reflektierendem Blick auf die Repräsentationsform Oper schaut, auf ihre bizarre, bisweilen absurde historische Selbstvergessenheit, als einer Kunstgattung, die als höfische in die Welt kam und bis ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 35
von Jan Verheyen
Um pointiert-scharfzüngige Worte war sie nie verlegen. Und um individuelle Sprachbilder auch nicht. Elfriede Jelinek, die große österreichische Schriftstellerin und Dramatikerin, hat sich mit ihren Romanen, Theaterstücken und essayistischen Gedankensteinbrüchen einen Platz im Olymp der Schreibkünstlerinnen und -künstler längst verdient. Dabei war es der...
Wer Barcelona für eine Stadt in Spanien hält, der weiß spätestens nach einem Besuch dort, dass dies nicht ganz richtig ist: Barcelona liegt in Katalonien – und dieser Umstand kommt vor allem in Sachen Kultur zum Ausdruck. Dies mag aus deutschen Landen stammende Menschen vielleicht eher befremden, denn mit Termini wie «Nationalstolz» oder «Volksheld» haben wir aus...
Unter den vier großen französischen Opern Meyerbeers fristet die erste eine Existenz als armer Verwandter. Das Werk von 1831 erscheint nur noch selten auf der Bühne, bis heute wurde es nie im Studio eingespielt. Dieses Desinteresse hängt wohl wesentlich mit dem Mix aus komischen und tragischen Elementen zusammen. Die italienische Opera semiseria sollte um 1850...
