Himmel und Hölle
Manchmal gleicht der Anfang schon dem Ende. Alles ist bereits erzählt, erlebt, durchlitten; auch die Musik, in diesem Fall das «Perdono»-Finale von Mozarts «Le nozze di Figaro», scheint, kurz vor Eintreten des Allegro assai, erschöpft zu sein. Aber wer weiß, vielleicht wird dieser Film über einen tolldreisten Tag auf dem Land noch einmal gedreht? Fast möchte man es glauben, so unentschlossen stehen die Paare und Passanten da an der Rampe, in Konstellationen, deren Konsistenz längst zu bröckeln begonnen hat. Könnte so sein (und gut sein), aber eben auch anders.
Im Hintergrund ein schwarzes Flimmern, das nicht eindeutig ist: Entweder beginnt die Geschichte gleich, oder sie wurde gerade erzählt. Ist aber auch egal. Hauptsache, wir haben Spaß. Und werden zum Denken angeregt.
Beides ist der Fall in Lydia Steiers frech-frivoler und fintenreicher Inszenierung an der Staatsoper Hannover, die auf eine Aktualisierung des Stoffes verzichtet und doch brandaktuell ist. Denn wenn die US-amerikanische Regisseurin, seit Beginn der Saison Operndirektorin am Luzerner Theater, eines beherrscht, dann ist dies die Kunst der Personenführung, gepaart mit einer (bewusst oder unbewusst) generierten ...
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Opernwelt März 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Jürgen Otten
Wagners «Tristan und Isolde» in Nordhausen? In einem Haus, das keine 500 Zuschauer fasst (und zur Premiere nur 200 Menschen reinlassen durfte)? Mit einem Orchester, das gerade mal 50 Musiker zählt, dazu jede Menge Debütanten auf, vor und hinter der Bühne? Ist das nicht ein geradezu aberwitziger Plan? Ist es. Trotzdem funktioniert er, und zwar mehr als beachtlich,...
In einem Essay aus dem Jahr 1978 mit dem Titel «Ins eigene Fleisch» entwirft Wolfgang Rihm das idealische Wesen und Sein seiner ästhetischen Existenz. Und er tut dies mit einer Selbstverständlichkeit, die das Übermäßig-Unbotmäßige seines Komponierens schon zu diesem relativ frühen Zeitpunkt evoziert: «Ich habe die Vorstellung eines großen Musikblocks, der in mir...
Was für ein poetisches Bild. Eine Frau sitzt versonnen an einer Orgel, die Rechte sanft auf die Tasten gelegt, sie scheint darüber nachzudenken, wie der Ton, den sie gleich anschlägt, klingen möge, was er auslösen, bewirken könnte in all seiner Flüchtigkeit, Resonanz und (möglichen) Kontingenz. Oder ob nicht vielleicht nicht dieser einzige Ton imstande wäre, die...
