Szenisch amateurhaft

Verdi: Rigoletto
NEW YORK | METROPOLITAN OPERA

Opernwelt - Logo

Das Publikum der 900. «Rigoletto»-Vorstellung an der Metropolitan Opera – nur «Aida» und «La traviata» waren hier in Sachen Verdi noch häufiger vertreten – wurde jüngst Zeuge eines ganz eigenen, unerwarteten Dramas. Ein musikalisch starker Abend unter der mitreißenden Leitung von Daniele Rustioni: unterlaufen von einer schwunglosen Neu-Inszenierung des Regisseurs Bartlett Sher im Rahmen einer Koproduktion mit der Staatsoper Unter den Linden.

Sher, als Regisseur von Broadway-Musicals oftmals mit genialem Zugriff, brachte zuletzt, nach einem zunächst durchaus erfrischenden «Barbiere», an dem New Yorker Haus seines Förderers Peter Gelb eine unbeholfene Inszenierung nach der anderen auf die Bühne. Durchgehende Bewegung ist ein Markenzeichen Shers. Und wie so häufig verfolgt seine Regie auch hier ein Konzept, das mit dem Sujet der Weimarer Republik im Hintergrund inszenatorische Behauptungen in den Raum stellt, was beispielsweise schon 2009 dazu führte, dass Sher anlässlich seiner Inszenierung von «Les Contes d’Hoffmann» dem Komponisten Offenbach «jüdischen Selbst-Hass» unterstellte.

«Rigoletto» erzählt dabei die Geschichte der absolutistischen Herrschaft eines Herzogs, der über Leben ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2022
Rubrik: Panorama, Seite 53
von David Shengold

Weitere Beiträge
Wie ein zuvor nie dagewesener Ton

Was für ein poetisches Bild. Eine Frau sitzt versonnen an einer Orgel, die Rechte sanft auf die Tasten gelegt, sie scheint darüber nachzudenken, wie der Ton, den sie gleich anschlägt, klingen möge, was er auslösen, bewirken könnte in all seiner Flüchtigkeit, Resonanz und (möglichen) Kontingenz. Oder ob nicht vielleicht nicht dieser einzige Ton imstande wäre, die...

Sophias Welt

Jede Aufführung von Donizettis «Lucia di Lammermoor» steht (oder fällt) mit der Besetzung der Titelrolle. Mit ihrer vokalen Pyrotechnik und exaltierten Gefühlsdialektik, die psychische Extremzustände wie mit dem Zoom zeigt, gehört die Partie zu den größten Herausforderungen im Reich des Gesangs. In Osnabrück überwältigt die junge Sopranistin Sophia Theodorides mit...

Überschaubar kostbar

Wenn unser Geigenlehrer selig, ein Engel an Geduld, genug hatte von unserem Gekratze, floh er gerne in eine erträumte Solokarriere: Er gab für uns Schüler den Virtuosen. Dabei warf er sich vor allem Isaac Albéniz an die Brust; sein erklärtes Lieblingsstück war «Asturias» aus der «Suite española» op. 47 in der Fassung für Solo-Violine – heute einem breiteren...