Materialschlacht
Im Gleichschritt des Gänsemarschs und mit tief gebeugten Rücken trippeln die Mägde auf einem schräg in den Bühnenboden gerammten Zylinder. Darauf ist ein Drehbühnenumlauf eingerichtet, dessen Bewegungsrichtung die schwarz uniformierten Damen stets stramm entgegengehen, wodurch sie im Ergebnis jedoch kaum vom Fleck kommen.
Die unmenschlichen, dezidiert tierischen Haltungen ihrer noch dazu angeleinten Körper lassen an die Praktiken jener Erniedrigung denken, wie sie in den jegliche Individualität tötenden Diktaturen aller Arten üblich waren und auch heute noch in einschlägigen Straflagern in China oder Guantanamo an der Tagesordnung sind. Über der hoch schwebenden, gefährlich geneigten Plattform dieser Gesellschaft des Grauens bewegt sich ein auf- und abfahrendes Gestänge, das einem riesigen Teleskop des staatstragenden Sicherheitsapparats gleicht. Big brother is watching you. Oder: Klytämnestra und die ihr unterstehende perfekte Technik der Unterdrückung haben den Laden im Griff.
Es ist eine Ästhetik der Überwältigung, auf die Ulrich Rasche in seiner ersten Operninszenierung setzt. Im Schauspiel arbeitet der Regisseur und Bühnenbildner in Personalunion mit seinem choreografisch ...
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Opernwelt März 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Peter Krause
Mit gleich zwei Premieren binnen einer Woche startete die Semperoper ins neue Jahr – und löste sich damit elegant aus dem sächsischen «Teil-Lockdown», der für die Kulturbranche im Freistaat ein kompletter war. Sämtliche Kulturstätten, ob Konzerthäuser, Theater, Museen oder Kinos, blieben hier von November an wochenlang geschlossen, was Sachsen den unrühmlichen...
Die Bühne stellt eine wüste Insel dar»: Im 18. Jahrhundert, in der Zeit der «Robinsonaden», hatte diese Szenenanweisung Hochkonjunktur. Man denke an die arme Ariadne, die auf Naxos um den untreuen Theseus jammert. Nicola Porpora hat ihr eine Oper gewidmet, Joseph Haydn eine Solo-Kantate, die noch heute aufgeführt wird. Doch das Thema war ihm da schon vertraut. In...
Über die Liebe ist schon manch Klug-Erhellendes, Poetisch-Verdichtetes (und, ja, auch Staunenswertes) geschrieben worden. Eine der schönsten Charakterisierungen aber finden wir in der Bibel, im ersten Korintherbrief, Kapitel 13, Vers 4 bis 7: «Die Liebe ist langmütig und freundlich», heißt es da, «die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie blähet...
