Hilflos auf Erden
La Monnaie» begibt sich für die Opernnovität ins «Theâtre National de Wallonie». Was naheliegt, denn Michael De Cock, der Chef des Hauses für die frankophonen und frankophilen Belgier, fungiert als Librettist. Sein Text greift auf ein im Verein mit Carme Portaceli verfasstes Stück zurück. Nicht Flauberts Roman hat also den Weg zur Oper direkt vorgezeichnet, der lief über das Sprechtheater. «Bovary» zeigt sich über weite Strecken auf einen Monolog der Titelfigur reduziert. Der setzt ein, nachdem sie sich Gift verabreicht hat, und endet mit ihrem Tod.
Indes kann von Agonie im medizinischen Sinn keine Rede sein. Entsetzlicher als die Qualen des Fleisches peinigen die Moribunde die Konvulsionen der Seele. Wahrlich ist ihr auf Erden nicht zu helfen. Weder Ehe noch Liebhaber, weder Tochter noch Kaufrausch eröffnen Auswege aus Lieblosigkeit und provinzieller Öde. Im Sterben führt sie Generalklage wider alle Bedrückung – Flaubert, der sie an die trostlosen Verhältnisse des Romans kettete, nicht ausgenommen. Letztes ein Vorwurf, dem sich die ungeliebte Tochter im Epilog anschließt.
Harold Nobens Partitur sieht ein Orchester ungefähr in Mozartstärke vor. Solistisches Klavier und Cello ...
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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Panorama, Seite 61
von Michael Kaminski
Der Berg ruht. Ist ganz jener «starrende Fels», wie ihn Ludwig Rellstab in seinem Gedicht «Der Aufenthalt» besungen und Franz Schubert ihn in jenes elegische e-Moll-Lied gekleidet hat, dessen trockene Triolen noch nach dem Schlusston weiter durch Hirn und Herz pochen. Das bewaldete Gebirg’, welches die 17.000-Seelen-Gemeinde zur Schweizer Grenze schutzgebietend...
In der Vorstellungskraft dieses Mannes scheint nichts unmöglich: Ein Haus errichten und eine Familie gründen will Peer Gynt mit einer Braut, die er eben von der Hochzeit weggestohlen hat (als sie sich ihm nicht willig zeigt, wandelt sich Zuneigung innerhalb eines Wimpernschlags in Hass, die Begehrte wird als «Hure» abgestoßen, als wäre zuvor nichts geschehen)....
Mitunter sind es nur feinste Nuancen, in denen sich größere Unterscheidungen ablesen lassen. Während es in Schuberts «Ständchen» nach Rellstab heißt: «Leise flehen meine Lieder / Durch die Nacht zu Dir», schließt das vierte Stück aus den «Fünf Liedern» op. 106 von Brahms mit den Worten «Dunkel klingen meine Lieder». Es ist nur ein Wimpernschlag, der beides, dort...
