Hilflos auf Erden
La Monnaie» begibt sich für die Opernnovität ins «Theâtre National de Wallonie». Was naheliegt, denn Michael De Cock, der Chef des Hauses für die frankophonen und frankophilen Belgier, fungiert als Librettist. Sein Text greift auf ein im Verein mit Carme Portaceli verfasstes Stück zurück. Nicht Flauberts Roman hat also den Weg zur Oper direkt vorgezeichnet, der lief über das Sprechtheater. «Bovary» zeigt sich über weite Strecken auf einen Monolog der Titelfigur reduziert. Der setzt ein, nachdem sie sich Gift verabreicht hat, und endet mit ihrem Tod.
Indes kann von Agonie im medizinischen Sinn keine Rede sein. Entsetzlicher als die Qualen des Fleisches peinigen die Moribunde die Konvulsionen der Seele. Wahrlich ist ihr auf Erden nicht zu helfen. Weder Ehe noch Liebhaber, weder Tochter noch Kaufrausch eröffnen Auswege aus Lieblosigkeit und provinzieller Öde. Im Sterben führt sie Generalklage wider alle Bedrückung – Flaubert, der sie an die trostlosen Verhältnisse des Romans kettete, nicht ausgenommen. Letztes ein Vorwurf, dem sich die ungeliebte Tochter im Epilog anschließt.
Harold Nobens Partitur sieht ein Orchester ungefähr in Mozartstärke vor. Solistisches Klavier und Cello ...
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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Panorama, Seite 61
von Michael Kaminski
Who cares about opera? Who cares about the arts? Who cares about music that is not in the charts? Wer interessiert sich für Oper? Für Kunst im Allgemeinen? Und für Musik, die eben nicht in den gängigen Charts auftaucht? Das sind Fragen, denen man sich ausgesetzt sieht, wenn man als 26-Jähriger nicht rappt, sondern ausgerechnet Opern komponiert. Und wie ich sie...
Äneas Humm gebietet zweifelsohne über eine ausgezeichnete, charakteristische Baritonstimme, frei und offen, unmittelbar ansprechend, nobel im Ausdruck. Eine Stimme, die darüber hinaus durch vorbildliche Textverständlichkeit besticht. Auf dem Album mit dem Titel «Libertas» finden sich außerdem zwei seltene Komponisten-Namen: Amy Beach und Joseph Marx. Das klingt...
Lustwandeln, sich den Klängen, dem Raum, dem gedämpften Licht überlassen, das ginge auch. Aber dann verpasst man etwas; an manchen Stellen des Münchner Utopia, der ehemaligen Reithalle am Rande des Zentrums, tut sich schließlich Entscheidendes. Wie etwa der riesenhafte Corey Scott-Gilbert unter Zuckungen und Krämpfen das Wachsen einer Kiefer nachspielt, dem...
