Hilflos auf Erden
La Monnaie» begibt sich für die Opernnovität ins «Theâtre National de Wallonie». Was naheliegt, denn Michael De Cock, der Chef des Hauses für die frankophonen und frankophilen Belgier, fungiert als Librettist. Sein Text greift auf ein im Verein mit Carme Portaceli verfasstes Stück zurück. Nicht Flauberts Roman hat also den Weg zur Oper direkt vorgezeichnet, der lief über das Sprechtheater. «Bovary» zeigt sich über weite Strecken auf einen Monolog der Titelfigur reduziert. Der setzt ein, nachdem sie sich Gift verabreicht hat, und endet mit ihrem Tod.
Indes kann von Agonie im medizinischen Sinn keine Rede sein. Entsetzlicher als die Qualen des Fleisches peinigen die Moribunde die Konvulsionen der Seele. Wahrlich ist ihr auf Erden nicht zu helfen. Weder Ehe noch Liebhaber, weder Tochter noch Kaufrausch eröffnen Auswege aus Lieblosigkeit und provinzieller Öde. Im Sterben führt sie Generalklage wider alle Bedrückung – Flaubert, der sie an die trostlosen Verhältnisse des Romans kettete, nicht ausgenommen. Letztes ein Vorwurf, dem sich die ungeliebte Tochter im Epilog anschließt.
Harold Nobens Partitur sieht ein Orchester ungefähr in Mozartstärke vor. Solistisches Klavier und Cello ...
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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Panorama, Seite 61
von Michael Kaminski
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