Du holde, hohe Kunst

Die Schubertiade wird 50 und bietet auch im Jubiläumsjahr wieder beträchtliches Niveau

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Der Berg ruht. Ist ganz jener «starrende Fels», wie ihn Ludwig Rellstab in seinem Gedicht «Der Aufenthalt» besungen und Franz Schubert ihn in jenes elegische e-Moll-Lied gekleidet hat, dessen trockene Triolen noch nach dem Schlusston weiter durch Hirn und Herz pochen. Das bewaldete Gebirg’, welches die 17.000-Seelen-Gemeinde zur Schweizer Grenze schutzgebietend umgibt, ficht dergleichen nicht an, es strahlt erhabene Souveränität aus.

Doch unterhalb des Massivs, kaum 200 Meter Luftlinie entfernt, sieht die Sache völlig anders aus: Da kämpft einer unter schlimmen (Welt-) Schmerzen gegen das Gewicht des Himmelsgewölbes an, das er zu tragen hat. Wie allein der kühne Sohn des Titanen Iapetos und der Meeresnymphe Asia damit ist, verdeutlichen schon die ersten Worte: «Ich unglücksel’ger Atlas». Wenig später wird er sich aus seiner Vereinsamung zumindest für Augenblicke lösen und ein Selbstgespräch führen: «Du stolzes Herz, du hast es ja gewollt / Du wolltest glücklich sein, unendlich / glücklich.» Was Atlas aber bleibt, ist der große Schmerz: «Und jetzo bist du elend.» Schubert hat Heines Verse in trübes g-Moll getüncht. Andrè Schuen singt das Lied nun in einer Version, die noch eine Spur ...

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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Magazin, Seite 80
von Jürgen Otten

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