Durch sanfte Güte wonnevoll
Mitunter sind es nur feinste Nuancen, in denen sich größere Unterscheidungen ablesen lassen. Während es in Schuberts «Ständchen» nach Rellstab heißt: «Leise flehen meine Lieder / Durch die Nacht zu Dir», schließt das vierte Stück aus den «Fünf Liedern» op. 106 von Brahms mit den Worten «Dunkel klingen meine Lieder». Es ist nur ein Wimpernschlag, der beides, dort das «Flehen», hier das «Klingen», trennt – und doch liegt eine ganze ungefähre Welt zwischen den Stücken der Gattung bei diesen Komponisten.
Ist Schubert der gekrönte König des Kunstliedes, wählte Brahms, vielleicht auch wissend, dass seine Dichter die Höhe des Vorgängers (wie ebenso die Robert Schumanns) in den meisten Fällen nicht erreichten, für seine Schöpfungen in dieser Gattung den «Volkston».
Im Beiheft des neuen Albums von Christian Gerhaher und Gerold Huber (die, bei aller Lichtgestalthaftigkeit des Baritons, nicht anders denn als symbiotisches Gespann zu denken sind) findet sich ein erhellender Aufsatz von Laurenz Lütteken zu diesem Thema, ein Extrakt aus seinem 2024 erschienenen Essay-Band «Lesarten und Lebenswelten». Lütteken berührt darin einen wesentlichen Punkt im Lied-Œuvre von Brahms: Für diesen ...
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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Medien, Seite 36
von Jürgen Otten
Am Tag, da in Rom der linksgerichtete Papst Franziskus zu Grabe gebracht wurde, fand am Theater Bielefeld die Premiere von Bohuslav Martinůs «Greek Passion» statt – ein Stück, das nach einem real praktizierten, radikal sozial verstandenen Christentum fragt, wie es auch der Verstorbene in Erinnerung bringen wollte. Der geheime Draht zwischen Rom und Bielefeld muss...
Mit dem «Ring» ist es eine vertrackte Sache. Sieht man die vier Teile rasch hintereinander, setzt man sich nicht nur zeitlich einem Marathon aus, auch auf der Bühne wird zuweilen stimmlich und logistisch mit den Anforderungen gekämpft. Also gibt es an vielen Häusern oft große Pausen zwischen den einzelnen Stücken, um dann das Endergebnis als Zyklus zu präsentieren....
Sie habe immer geschrieben, um der Hölle zu entkommen, aber vergeblich: Das notierte die britische Dramatikerin Sarah Kane, wenige Monate bevor sie sich mit nur 27 Jahren das Leben nahm. In ihrem 1999 vollendeten Theaterstück «4.48 Psychose» schildert sie den Seelenkampf einer psychisch erkrankten Frau am Abgrund einer schweren Depression. Philip Ve -nables hat...
