Durch sanfte Güte wonnevoll

Christian Gerhaher und Gerold Huber bieten auf ihrem Album mit Brahms-Liedern große Kunst

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Mitunter sind es nur feinste Nuancen, in denen sich größere Unterscheidungen ablesen lassen. Während es in Schuberts «Ständchen» nach Rellstab heißt: «Leise flehen meine Lieder / Durch die Nacht zu Dir», schließt das vierte Stück aus den «Fünf Liedern» op. 106 von Brahms mit den Worten «Dunkel klingen meine Lieder». Es ist nur ein Wimpernschlag, der beides, dort das «Flehen», hier das «Klingen», trennt – und doch liegt eine ganze ungefähre Welt zwischen den Stücken der Gattung bei diesen Komponisten.

Ist Schubert der gekrönte König des Kunstliedes, wählte Brahms, vielleicht auch wissend, dass seine Dichter die Höhe des Vorgängers (wie ebenso die Robert Schumanns) in den meisten Fällen nicht erreichten, für seine Schöpfungen in dieser Gattung den «Volkston».

Im Beiheft des neuen Albums von Christian Gerhaher und Gerold Huber (die, bei aller Lichtgestalthaftigkeit des Baritons, nicht anders denn als symbiotisches Gespann zu denken sind) findet sich ein erhellender Aufsatz von Laurenz Lütteken zu diesem Thema, ein Extrakt aus seinem 2024 erschienenen Essay-Band «Lesarten und Lebenswelten». Lütteken berührt darin einen wesentlichen Punkt im Lied-Œuvre von Brahms: Für diesen ...

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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Medien, Seite 36
von Jürgen Otten

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