Hier bin ich reich, hier darf ich's sein
Ariadne monologisiert. Wie schön es doch war mit Theseus, der sie verließ. Und wie schön es wäre, wenn endlich Hermes käme, der Todesbote, der allem Kummer ein Ende macht. Lautlos, so singt sie, werde ihre Seele ihm folgen, «wie ein leichtes Blatt im Winde». Da gluckst das Publikum. Denn leichte Blätter gibt es hier viele. Böse Böen beuteln das Zeltdach, unter dem Ariadne im klassisch-griechischen Chiton so viel Innigkeit herzustellen versucht wie möglich. Es ist so kalt, dass man ihren Atemhauch sieht. Der Regen peitscht von zwei Seiten an den Rändern der Bühne vorbei.
Langsam bilden sich Pfützen vor Ariadnes schwarzen Felstreppen. Während hinter der Plane literweise und hörbar das Wasser abfließt, versucht eine Hornkantilene aus dem Orchestergraben daran zu erinnern, dass wir auf Naxos sind und dass es um eine umwölkte Seele geht und nicht um den schwarz bewölkten Himmel, auf den sich unsere Blicke immer wieder richten. Was Ariadne braucht, ist weder Theseus noch Hermes, sondern ein warmer Daunenmantel.
Dabei könnte alles so schön sein. Wenn sie nicht vom Sturm zerzaust wären, könnten wir auf wunderschöne Blumenrabatten blicken, die gleich neben der Bühne beginnen. Wenn er ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ein Querschnitt des «Zigeunerbaron» mit Melitta Muszely legte vor mehr als vierzig Jahren den Grundstein meiner Plattensammlung. Die Österreicherin mit dem ungarischen Namen begleitete auch weiterhin meine frühen Opernjahre, denn sie war damals eine der populärsten Bühnenkünstlerinnen im deutschsprachigen Raum, omnipräsent in Rundfunk und Fernsehen wie auf...
Die Ludwigsburger Schlossfestspiele, die Wolfgang Gönnenwein mehr als drei Jahrzehnte nach spätabsolutistischer Gutsherrenart geführt hatte, kommen nicht zur Ruhe. Der Vertrag mit dem Nürnberger Generalintendanten Wulf Konold, seit 2003 Künstlerischer Leiter des als «Internationale Festspiele Baden-Württemberg» firmierenden Festivals, wurde vom Aufsichtsrat nur um...
Régine Crespin, die am 5. Juli in einem Pariser Krankenhaus im Alter von achtzig Jahren verstorben ist, war ohne Zweifel die bedeutendste französische Operndiva in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Eine typische Vertreterin französischer Gesangstradition war sie weniger. Zwar hat sie einige Partien des französischen Repertoires gesungen, etwa...
