Hexengrüße aus dem Ural
Hager, bleich, hoch aufgeschossen, mit langen Armen und langem, wirkungssicher hin und her wippendem Haar, von den Stiefeletten bis zum berüschten Hemd ganz in Schwarz, energiestrotzend und in jedem Moment entschlossen: So wie Teodor Currentzis nach seinem «Don Giovanni» im Schlussapplaus steht, könnte er selbst der Don sein oder zumindest aus einem alten Paganini-Film stammen. Er verkörpert die Aura des diabolisch-genialischen Menschenfängers. Einer, der alles will, alles kann und alles darf. Einer, der himmlisch zaubert, weil er eigentlich aus der Hölle kommt.
Einer, der so besessen ist von sich selbst, dass er die anderen um sich herum elektrisiert. Teodor Currentzis weiß um diese Aura. Er sucht sie, er pflegt sie, er nutzt sie – und er verdichtet sie zur Pose.
Auf dem Klassik-Markt sind das beste Voraussetzungen, um aufzufallen. Wo Mainstream herrscht und das Risiko kalkuliert wird, kommt dieser Mann wie gerufen. Er ist eine Marke, ohne dass man ihn dazu machen müsste. Er gibt den Wüstling und sorgt doch für höchst erfolgreiche Produktionen. In Madrid hat er mit Purcells «Indian Queen» für Furore gesorgt, in Bregenz mit Weinbergs «Passagierin», in Zürich mit Schostakowitschs ...
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Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Stephan Mösch
Es ist eine seit Jahrzehnten, erst auf Langspielplatte, dann auf CD vertriebene Referenzaufnahme: «Tannhäuser» wurde 1962 bei den Bayreuther Festspielen unter der Leitung von Wolfgang Sawallisch mitgeschnitten, Wolfgang Windgassen sang die Titelpartie, Anja Silja die Elisabeth, Grace Bumbry war die berühmte «Schwarze Venus», Eberhard Wächter der Wolfram. Die...
Von Zeit zu Zeit, und wenn der Lauf der Dinge wieder mal nicht so ist, wie er sein sollte, denkt der geschichtsbewusste Österreicher an den guten alten Kaiser Ferdinand I. mit dem Beinamen «der Gütige». Wobei Letzterer sich weniger auf des Regenten Wohltätigkeit als auf seine limitierten intellektuellen Fähigkeiten bezog. So soll er, mit der 1848er-Revolution der...
Impressum
56. Jahrgang, Nr 1
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752274
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Redaktionsschluss dieser Ausgabe
war der 05.12.2014
Redaktion
Wiebke Roloff
Albrecht Thiemann (V. i. S. d....
