Hexengrüße aus dem Ural
Hager, bleich, hoch aufgeschossen, mit langen Armen und langem, wirkungssicher hin und her wippendem Haar, von den Stiefeletten bis zum berüschten Hemd ganz in Schwarz, energiestrotzend und in jedem Moment entschlossen: So wie Teodor Currentzis nach seinem «Don Giovanni» im Schlussapplaus steht, könnte er selbst der Don sein oder zumindest aus einem alten Paganini-Film stammen. Er verkörpert die Aura des diabolisch-genialischen Menschenfängers. Einer, der alles will, alles kann und alles darf. Einer, der himmlisch zaubert, weil er eigentlich aus der Hölle kommt.
Einer, der so besessen ist von sich selbst, dass er die anderen um sich herum elektrisiert. Teodor Currentzis weiß um diese Aura. Er sucht sie, er pflegt sie, er nutzt sie – und er verdichtet sie zur Pose.
Auf dem Klassik-Markt sind das beste Voraussetzungen, um aufzufallen. Wo Mainstream herrscht und das Risiko kalkuliert wird, kommt dieser Mann wie gerufen. Er ist eine Marke, ohne dass man ihn dazu machen müsste. Er gibt den Wüstling und sorgt doch für höchst erfolgreiche Produktionen. In Madrid hat er mit Purcells «Indian Queen» für Furore gesorgt, in Bregenz mit Weinbergs «Passagierin», in Zürich mit Schostakowitschs ...
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Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Stephan Mösch
Frau Tomowa-Sintow, Sie waren eine außergewöhnlich vielseitige Sängerin. Gab es ein geheimes Zentrum?
Ja, das gab es. Meine allergrößte Liebe war Verdi. Verdi war der gesangliche Kompass in meinem Leben. Hier habe ich mein Legato gefunden, das meine Grundlage war und ohne das es für mich auch keinen Mozart gibt. Verdi war sogar für den Verismo meine Basis. Und für...
«Britten is ja schon ’n echt harter Stoff, wa?», kommentiert der Taxifahrer, als er vom Berliner Schiller Theater auf die Bismarckstraße biegt. «Na ja», hebe ich an, «eigentlich nicht. Im Vergleich zu dem, was andere musikalisch in den Fünfzigern ...»
Aber er hat nicht ganz unrecht. Dem Freund aus England ist nach der Vorstellung beklommen zumute, weil das, was in...
Im Rahmen der anspruchsvollen, mit raren und riskanten Stücken nicht geizenden Opernspielzeit am Theater Heidelberg ist dieser «Pelléas» ein szenischer Ausfall. Ja, ein Ärgernis. Und das trotz günstiger Voraussetzungen. Das Orchester findet unter seinem GMD Yordan Kamdzhalov zu jener sensiblen Klangbalance, von der Debussys scheues Meisterwerk lebt. Dass sich...
