Hexengrüße aus dem Ural
Hager, bleich, hoch aufgeschossen, mit langen Armen und langem, wirkungssicher hin und her wippendem Haar, von den Stiefeletten bis zum berüschten Hemd ganz in Schwarz, energiestrotzend und in jedem Moment entschlossen: So wie Teodor Currentzis nach seinem «Don Giovanni» im Schlussapplaus steht, könnte er selbst der Don sein oder zumindest aus einem alten Paganini-Film stammen. Er verkörpert die Aura des diabolisch-genialischen Menschenfängers. Einer, der alles will, alles kann und alles darf. Einer, der himmlisch zaubert, weil er eigentlich aus der Hölle kommt.
Einer, der so besessen ist von sich selbst, dass er die anderen um sich herum elektrisiert. Teodor Currentzis weiß um diese Aura. Er sucht sie, er pflegt sie, er nutzt sie – und er verdichtet sie zur Pose.
Auf dem Klassik-Markt sind das beste Voraussetzungen, um aufzufallen. Wo Mainstream herrscht und das Risiko kalkuliert wird, kommt dieser Mann wie gerufen. Er ist eine Marke, ohne dass man ihn dazu machen müsste. Er gibt den Wüstling und sorgt doch für höchst erfolgreiche Produktionen. In Madrid hat er mit Purcells «Indian Queen» für Furore gesorgt, in Bregenz mit Weinbergs «Passagierin», in Zürich mit Schostakowitschs ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Stephan Mösch
Im Jahr 1925 nahm sich der französische Schriftsteller und Philosoph Georges Palante in der bretonischen Kleinstadt Saint-Brieuc das Leben. Ein spätes Nachbeben dieser Tat hat nun die Opernbühne erreicht. Bereits 1935 hatte Louis Guilloux seinem Lehrer, der eine anarchistisch-individualistische Lebensauffassung vertrat, mit dem autobiografisch gefärbten Roman...
Ein magischer Moment in der Hamburger Aufführung von Giuseppe Verdis «Luisa Miller»: Das Dorfmädchen Laura beklagt den Ausdruck des Leids auf dem Gesicht Luisas, der verfolgten Unschuld. Die Mezzosopranistin Ida Aldrian brauchte nur wenige Phrasen, um mit larmes dans la voix einen Satz des französischen Tenors Adolphe Nourrit sinnfällig werden zu lassen: «Musik...
Cosima Liszt und die Schauspielerin Ellen Franz waren Jugendfreundinnen aus Berliner Tagen, beide Klavierschülerinnen von Hans von Bülow. Zwischen 1859 und 1862 pflegten sie einen Briefwechsel, in englischer Sprache (die Mutter von Ellen Franz stammte aus Middlesex). Nach langjähriger Pause und unter neuen Vorzeichen nahmen sie ihn 1877 wieder auf: Cosima war seit...
