Wo Unaussprechliches geschieht
«Britten is ja schon ’n echt harter Stoff, wa?», kommentiert der Taxifahrer, als er vom Berliner Schiller Theater auf die Bismarckstraße biegt. «Na ja», hebe ich an, «eigentlich nicht. Im Vergleich zu dem, was andere musikalisch in den Fünfzigern ...»
Aber er hat nicht ganz unrecht.
Dem Freund aus England ist nach der Vorstellung beklommen zumute, weil das, was in «The Turn of the Screw» den Hintergrund bildet, in der Upper Class mitnichten Geschichte ist: das «Abschieben» von Kindern in Internate und zum Personal, weil die eigentlich Verantwortlichen mit «affairs, travel, friends, visits, always something» beschäftigt sind. Weil Missbrauchsfälle jeden Tag in der Zeitung stehen. Vor allem geht die Mischung aus Psychothriller und Gespenstergeschichte unter die Haut, weil hier, wie in Henry James’ Novelle, in allen Beziehungen eine unheilvolle Zweideutigkeit schwelt – was sie für Regisseure zu einem Fest und einer Herausforderung zugleich macht.
In Berlin ist der Landsitz Bly ein schwüler Schlund. Dunkelrote Wände, verschlossene Türen. Ein stickiges Foyer; ein Gang, der sich in Finsternis verliert; ein leerer Saal, durch dessen trübe Fenster milchiges Licht sickert. Christian ...
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Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Wiebke Roloff
Wie Soraya, nach Erhalt der Nachricht, dass sich der Schah von Persien von ihr scheiden lässt. So sieht Max Emanuel Cencic auf seinem jüngsten CD-Cover als «Siroé, Rè di Persia» aus – mit leidendem Blick und dickem Kohlekajalstrich (Decca 4786768). Das ist allerdings die einzige geschmackliche Entgleisung, die der multifunktionale Kroate sich bei seinem ...
Im Jahr 1925 nahm sich der französische Schriftsteller und Philosoph Georges Palante in der bretonischen Kleinstadt Saint-Brieuc das Leben. Ein spätes Nachbeben dieser Tat hat nun die Opernbühne erreicht. Bereits 1935 hatte Louis Guilloux seinem Lehrer, der eine anarchistisch-individualistische Lebensauffassung vertrat, mit dem autobiografisch gefärbten Roman...
Neben Krimis und Talkshows sind Sitcoms ein Evergreen heutiger Fernsehprogramme. Warum also nicht einmal dieses Genre als Muster für zeitgenössisches Musiktheater verwenden? Dieser Überlegung verdankt sich das für das Festival Wien Modern entstandene szenische Projekt «Das Leben am Rande der Milchstraße». Geschrieben haben es der Komponist Bernhard Gander und die...
