Hingabe ist alles
Frau Tomowa-Sintow, Sie waren eine außergewöhnlich vielseitige Sängerin. Gab es ein geheimes Zentrum?
Ja, das gab es. Meine allergrößte Liebe war Verdi. Verdi war der gesangliche Kompass in meinem Leben. Hier habe ich mein Legato gefunden, das meine Grundlage war und ohne das es für mich auch keinen Mozart gibt. Verdi war sogar für den Verismo meine Basis. Und für Richard Strauss.
Hatten Sie ein sängerisches Grundprinzip?
Ich habe immer versucht, mich mit der Rolle zu identifizieren.
Es mag merkwürdig klingen, aber ich finde, wenn man sich vollkommen hingibt, kommt vieles von selbst. Ich arbeitete immer daran, Selbstbewusstsein zu entwickeln und mich zu öffnen – natürlich mit Kontrolle. Es bildet, auf der Bühne mutig zu sein.
Die Berliner Staatsoper war lange ein künstlerisches Zuhause für Sie. Wie kamen Sie dorthin?
Von Leipzig aus, wohin ich nach dem Konservatorium engagiert worden war. Mein Staatsexamen in Sofia hatte ich mit Tatjana in «Eugen Onegin» gemacht. Man suchte damals junge Sänger für die DDR. In Leipzig hatte ich das Glück, schnell große Rollen singen zu dürfen. Abigaille, Butterfly, Donna Anna, Arabella und Traviata – von August bis Juli in einer einzigen Spielzeit! ...
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Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Kai Luehrs-Kaiser
Ein magischer Moment in der Hamburger Aufführung von Giuseppe Verdis «Luisa Miller»: Das Dorfmädchen Laura beklagt den Ausdruck des Leids auf dem Gesicht Luisas, der verfolgten Unschuld. Die Mezzosopranistin Ida Aldrian brauchte nur wenige Phrasen, um mit larmes dans la voix einen Satz des französischen Tenors Adolphe Nourrit sinnfällig werden zu lassen: «Musik...
Er hatte wohl recht, jener Kritiker der halboffiziellen «Gazzetta privilegiata di Venezia», als er Verdis «Simon Boccanegra» nach dem Uraufführungsfiasko im März 1857 «eine vielleicht zu gewaltige, zu ernste Musik» bescheinigte und diagnostizierte, «eine Grabesstimmung» beherrsche die Partitur. Tatsächlich hatte Francesco Maria Piave, der Librettist der Urfassung,...
Zwei Extremisten am Werk, lustvoll hier, qualvoll dort. War es dasselbe Stück, Mozarts Oper aller Opern? In Berlin tobt Slapstick über die Bühne, in Brüssel überrollt ein Sexualalptraum das Publikum. Rabiat entgrenzt beide Versionen – Lichtjahre entfernt von jeder einfühlenden Aufführungstradition. Felsenstein, Konwitschny, Sellars, Chéreau, Brook – weggeschoben....
