Banal oder radikal?
Im Rahmen der anspruchsvollen, mit raren und riskanten Stücken nicht geizenden Opernspielzeit am Theater Heidelberg ist dieser «Pelléas» ein szenischer Ausfall. Ja, ein Ärgernis. Und das trotz günstiger Voraussetzungen. Das Orchester findet unter seinem GMD Yordan Kamdzhalov zu jener sensiblen Klangbalance, von der Debussys scheues Meisterwerk lebt. Dass sich stimmungstrunkene Klangfarben und penible Strukturierung der Partitur ergänzen, wird schon in der Einleitung plausibel. So soll es sein.
Das Sänger-Ensemble hört immer wieder in Debussys Klang der Worte hinein: Annika Sophie Ritlewski als mit lyrischen Stimmqualitäten aufwartende, zerbrechlich-starke Mélisande; Angus Wood als tenoraler, heller, fast heldischer Pelléas; Ipca Ramanovic als kernig-sonorer Golaud; Carolyn Frank, stets das, was man eine «Erscheinung» nennt, als elegant phrasierende Geneviève; Wilfried Staber als klangsatter (allerdings im Französischen radebrechender) Arkel.
Die Szene aber zerstört alles, was unter solchen Voraussetzungen möglich wäre. Lorenzo Fioroni drangsaliert Zuschauer (und Mitwirkende!) mit egomanen Einfällen, verweigert sich aber dem inneren Reichtum, den Debussy und Maeterlinck anbieten. Man ...
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Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Stephan Mösch & Uwe Schweikert
ARD-ALPHA
4.1. – 11.00 Uhr
Lorin Maazel dirigiert
Mozart: Symphonie g-moll KV 183; Symphonie C-Dur KV 551; Violinkonzert A-Dur KV 219, Solist: Ingolf Turban.
6.1. – 11.00 Uhr
Marcello Viotti stellt vor:
Ravel: Ma Mére l’oye.
6.1. – 20.15 Uhr
Strauss: Der Rosenkavalier.
Salzburger Festspiele 2014. Musikalische Leitung: Franz Welser-Möst, Inszenierung: Harry Kupfer....
Das musste wohl so kommen. Nach dem erzwungenen Abbruch seiner Arbeit am Bayreuther «Parsifal» revanchierte sich Jonathan Meese auf seine Art: In der Modern Art Gallery in London zeigt er Katharina Wagner als blonde Bratwurst. «Die Tage der angeblichen Wagnerführung sind gezählt», wetterte er zuletzt von München aus in Richtung Bayreuth, «man muss halt wissen, was...
Mussorgskys mächtige, dissonante Glockenakkorde setzen die Interpunktion in einem Drama, dessen tragischer Held ein Kollektiv ist. Das Volk. Weil das Volksdrama, wie es Mussorgsky vorschwebte, sich nicht nur in der russischen Geschichte wiederholt, hat sich Regisseur Lev Dodin gegen eine platte Aktualisierung entschieden. Stattdessen ließ er sich, um Hierarchien...
