Banal oder radikal?

Lorenzo Fioronis Heidelberger Inszenierung von Debussys «Pelléas und Mélisande» polarisiert. Zwei Ansichten

Opernwelt - Logo

Im Rahmen der anspruchsvollen, mit raren und riskanten Stücken nicht geizenden Opernspielzeit am Theater Heidelberg ist dieser «Pelléas» ein szenischer Ausfall. Ja, ein Ärgernis. Und das trotz günstiger Voraussetzungen. Das Orchester findet unter seinem GMD Yordan Kamdzhalov zu jener sensiblen Klangbalance, von der Debussys scheues Meisterwerk lebt. Dass sich stimmungstrunkene Klangfarben und penible Strukturierung der Partitur ergänzen, wird schon in der Einleitung plausibel. So soll es sein.

Das Sänger-Ensemble hört immer wieder in Debussys Klang der Worte hinein: Annika Sophie Ritlewski als mit lyrischen Stimmqualitäten aufwartende, zerbrechlich-starke Mélisande; Angus Wood als tenoraler, heller, fast heldischer Pelléas; Ipca Ramanovic als kernig-sonorer Golaud; Carolyn Frank, stets das, was man eine «Erscheinung» nennt, als elegant phrasierende Geneviève; Wilfried Staber als klangsatter (allerdings im Französischen radebrechender) Arkel.

Die Szene aber zerstört alles, was unter solchen Voraussetzungen möglich wäre. Lorenzo Fioroni drangsaliert Zuschauer (und Mitwirkende!) mit egomanen Einfällen, verweigert sich aber dem inneren Reichtum, den Debussy und Maeterlinck anbieten. Man ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Stephan Mösch & Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
«Kümmere dich nicht darum, was die Leute reden»

Cosima Liszt und die Schauspielerin Ellen Franz waren Jugendfreundinnen aus Berliner Tagen, beide Klavierschülerinnen von Hans von Bülow. Zwischen 1859 und 1862 pflegten sie einen Briefwechsel, in englischer Sprache (die Mutter von Ellen Franz stammte aus Middlesex). Nach langjähriger Pause und unter neuen Vorzeichen nahmen sie ihn 1877 wieder auf: Cosima war seit...

«Betulia liberata» in Potsdam

Kurios, Mozarts frühe azione sacra: Alle Zeit der Welt wird da mit einem Gottesbeweis zugebracht. Ozìa, Fürst der belagerten Stadt Betulia (Anicio Zorzi Giustiniani), versucht Anchior (István Kovács) zu missionieren, einen Prinz aus dem feindlichen Lager. Mit Vernunft, wohlgemerkt: Da weht der Geist der Aufklärung. Besonders anschaulich ist das natürlich nicht –...

Aus einer Hand

Wie Soraya, nach Erhalt der Nachricht, dass sich der Schah von Persien von ihr scheiden lässt. So sieht Max Emanuel Cencic auf seinem jüngsten CD-Cover als «Siroé, Rè di Persia» aus – mit leidendem Blick und dickem Kohlekajalstrich (Decca 4786768). Das ist allerdings die einzige geschmackliche Entgleisung, die der multifunktionale Kroate sich bei seinem ...