Heute heißt der König Putin
Statt des aus Hexen- und Lady-Motiven montierten «Preludio» springen 15 Magdeburgerinnen im Parkett auf, kapern die Bühne, skandieren «Mädchen sind brav. War ich nicht. Ich war anders». Sie nutzen das Theater, um sich Gehör zu verschaffen, die Gruppe, um in ihr Schutz zu suchen. Der zornige Sprechchor rekapituliert rhythmisch klappernd die Geschichte einer von ihnen: Hochzeit, Kinder, Job, Scheidung, Leben als sexuelles Freiwild, Krebs, Schuldgefühle, Selbsthass, Männerhass. Dann fällt jäh die unheimliche Sturmmusik der ersten Szene mit ihrem gellenden Hexenkichern ein.
Die «Hexen» ziehen sich Pussy-Riot-Masken über. Ein riesiger Moos-Phallus wird auf «vien Macbetto» herabgelassen und zu Verdis Buffa-Chören jauchzend zerhackt: Karneval und Hexensabbat in einem. Wir verstehen. Heute heißt der König Putin.
Und so geht es weiter. Volker Lösch, der seit 2003 im Schauspiel versucht, mittels Feldforschung und Sprechchören Betroffener die Konflikte klassischer Stücke in unserer Welt aufzufinden, inszeniert erstmals Oper. Er behandelt «Macbeth» nicht als Museumsstück, sondern als Material. Er klopft es auf seinen aktuellen Gehalt ab, scheidet Übergänge, Strukturbildendes aus (Preludio, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Boris Kehrmann
Herr Protschka, warum brauchen wir einen Gesangswettbewerb ohne Altersbeschränkungen?
Ein Wettbewerb wie ArtOpera ist wichtig, weil Sängerbiografien nicht so geradlinig verlaufen wie die von Instrumentalisten. Wir Sänger fangen relativ spät an – Ausnahmen wie Anja Silja bestätigen die Regel. Meist geht es erst nach der Pubertät oder nach dem Stimmbruch richtig los....
Wien, Domgasse 5. Im ersten Stock die Wohnung, in der Mozart während der Arbeit am «Figaro» wohnte. Es sind schöne stille Räume, angefüllt mit gefrorener Zeit, und der Besucher fragt sich, ob das schrille Lachen, mit dem Tom Hulce als Faun Amadeus in Milos Formans Film nicht nur F. Murray Abrahams Salieri, sondern auch den Zuschauer nervte, dort tatsächlich je...
Lilith, die erste Frau Adams, aus Lehm geschaffen wie er und nicht aus seiner Rippe; die Unbotsame, die der Männer Macht – und damit auch die eines vermeintlich männlichen Gottes – zum Lachen findet. Lilith, die beim Sex immer oben liegen will und schließlich, verbannt, protestierend das Paradies verlässt, um sich im Dämonenreich umzutun. Lilith, das role model der...
