Heute heißt der König Putin
Statt des aus Hexen- und Lady-Motiven montierten «Preludio» springen 15 Magdeburgerinnen im Parkett auf, kapern die Bühne, skandieren «Mädchen sind brav. War ich nicht. Ich war anders». Sie nutzen das Theater, um sich Gehör zu verschaffen, die Gruppe, um in ihr Schutz zu suchen. Der zornige Sprechchor rekapituliert rhythmisch klappernd die Geschichte einer von ihnen: Hochzeit, Kinder, Job, Scheidung, Leben als sexuelles Freiwild, Krebs, Schuldgefühle, Selbsthass, Männerhass. Dann fällt jäh die unheimliche Sturmmusik der ersten Szene mit ihrem gellenden Hexenkichern ein.
Die «Hexen» ziehen sich Pussy-Riot-Masken über. Ein riesiger Moos-Phallus wird auf «vien Macbetto» herabgelassen und zu Verdis Buffa-Chören jauchzend zerhackt: Karneval und Hexensabbat in einem. Wir verstehen. Heute heißt der König Putin.
Und so geht es weiter. Volker Lösch, der seit 2003 im Schauspiel versucht, mittels Feldforschung und Sprechchören Betroffener die Konflikte klassischer Stücke in unserer Welt aufzufinden, inszeniert erstmals Oper. Er behandelt «Macbeth» nicht als Museumsstück, sondern als Material. Er klopft es auf seinen aktuellen Gehalt ab, scheidet Übergänge, Strukturbildendes aus (Preludio, ...
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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Boris Kehrmann
Er taucht in jeder Geschichte der Oper auf, besonders häufig freilich, wenn es um die des 19. Jahrhunderts geht, noch spezifischer: wenn von Rossini, Bellini, Donizetti und der Entwicklung des frühromantischen italienischen Melodramma, aber eben auch der Buffa die Rede ist. Dann wirft er einen langen Schatten, bleibt aber als dunkle Silhouette im Hintergrund, wird...
In Interviews aus jüngster Zeit ließ Philippe Jaroussky durchblicken, sein neues Album sei das letzte, das Werke des Kastratenrepertoires in den Mittelpunkt stellt. Für seinen Abgesang hat er freilich noch einmal ein schlüssig konzipiertes Programm zusammengestellt und zwei große Musiker des 18. Jahrhunderts zusammengeführt: Nicola Porpora und Farinelli – Lehrer...
Wien, Domgasse 5. Im ersten Stock die Wohnung, in der Mozart während der Arbeit am «Figaro» wohnte. Es sind schöne stille Räume, angefüllt mit gefrorener Zeit, und der Besucher fragt sich, ob das schrille Lachen, mit dem Tom Hulce als Faun Amadeus in Milos Formans Film nicht nur F. Murray Abrahams Salieri, sondern auch den Zuschauer nervte, dort tatsächlich je...
