Heute heißt der König Putin
Statt des aus Hexen- und Lady-Motiven montierten «Preludio» springen 15 Magdeburgerinnen im Parkett auf, kapern die Bühne, skandieren «Mädchen sind brav. War ich nicht. Ich war anders». Sie nutzen das Theater, um sich Gehör zu verschaffen, die Gruppe, um in ihr Schutz zu suchen. Der zornige Sprechchor rekapituliert rhythmisch klappernd die Geschichte einer von ihnen: Hochzeit, Kinder, Job, Scheidung, Leben als sexuelles Freiwild, Krebs, Schuldgefühle, Selbsthass, Männerhass. Dann fällt jäh die unheimliche Sturmmusik der ersten Szene mit ihrem gellenden Hexenkichern ein.
Die «Hexen» ziehen sich Pussy-Riot-Masken über. Ein riesiger Moos-Phallus wird auf «vien Macbetto» herabgelassen und zu Verdis Buffa-Chören jauchzend zerhackt: Karneval und Hexensabbat in einem. Wir verstehen. Heute heißt der König Putin.
Und so geht es weiter. Volker Lösch, der seit 2003 im Schauspiel versucht, mittels Feldforschung und Sprechchören Betroffener die Konflikte klassischer Stücke in unserer Welt aufzufinden, inszeniert erstmals Oper. Er behandelt «Macbeth» nicht als Museumsstück, sondern als Material. Er klopft es auf seinen aktuellen Gehalt ab, scheidet Übergänge, Strukturbildendes aus (Preludio, ...
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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Boris Kehrmann
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Man wollte es nach der Wende sogar abreißen. Seit 2007 war es geschlossen, nun wurde das Erkel Theater als zweites Haus der Ungarischen Staatsoper wiedereröffnet. In neuem Glanz, könnte man sagen, wenn das «Lifting» des in seiner 100-jährigen Geschichte mehrfach umgebauten Hauses nicht auch diesmal karg ausgefallen wäre. Als Ausweichquartier für die Staatsoper,...
Wie treffend, wie irreführend hat Ferruccio Busoni den Begriff «Opernspiel» für seine «Doktor Faust»-Oper gewählt. Von der Leichtigkeit eines Spiels hat dieses Werk nichts. Busoni, der, trotz seiner Herkunft, seinem Temperament nach eher ein Nördler denn ein Südländer war, zergrübelt diese Oper – was passend ist, bei diesem Stoff. Und doch ist es ein Spiel. Busoni...
