Barmherziger Rüpel
Er taucht in jeder Geschichte der Oper auf, besonders häufig freilich, wenn es um die des 19. Jahrhunderts geht, noch spezifischer: wenn von Rossini, Bellini, Donizetti und der Entwicklung des frühromantischen italienischen Melodramma, aber eben auch der Buffa die Rede ist. Dann wirft er einen langen Schatten, bleibt aber als dunkle Silhouette im Hintergrund, wird meist mit der pauschalen Bezeichnung «legendärer Impresario» abgespeist, der den genannten Komponisten das Arbeitsleben schwer machte. Ja, wir meinen Domenico Barbaja.
Es musste also erst ein amerikanischer, in Hongkong lebender Banker und Headhunter kommen, Belcanto-verrückt und furchtlos, außerdem bereit, der Recherche über diesen längst wieder im tiefen Brunnen der Vergangenheit verschwundenen, einst übermächtigen Paten der Oper fünf Lebensjahre zu widmen, um ein wenig Licht in dessen Lebensabrissdunkel zu bringen und die erste Barbaja-Biografie (in englischer Sprache) vorzulegen.
Die ist Philip Eisenbeiss als sympathisch sachliches Zeit- und Gattungsbild durchaus gelungen (und zum Klingen gebracht wird sie zusätzlich durch eine Naxos-CD mit Exzerpten aus Barbajas Opernaufträgen). Es scheint genau richtig, einen eher ...
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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Manuel Brug
Die letzten Dinge. Haben sie eine besondere Kraft, oder neigen wir dazu, sie ihnen anzudichten? Händel konnte die Uraufführung seines letzten originalen Oratoriums «Jephtha» im Februar 1752 nur noch mit Mühe dirigieren. «He breaks very much & I think he is quite blind in one eye», beobachtete der Gelehrte James Harris. Purcell hatte 1695 noch weniger Glück mit «The...
Halbnackte Steinstatuen im Garten bekamen ein Schamschürzchen, christliche Kreuze wurden durch neutrale Wappenschilde ersetzt, und ein Domestik durfte nicht mehr betrunken sein. Aber sonst hätte der 1988 verstorbene Regisseur Jean-Pierre Ponnelle seine zu Hause längst abgesetzte Inszenierung von Mozarts «Hochzeit des Figaro» aus dem Jahr 1972 auch im Oman sofort...
Herr Protschka, warum brauchen wir einen Gesangswettbewerb ohne Altersbeschränkungen?
Ein Wettbewerb wie ArtOpera ist wichtig, weil Sängerbiografien nicht so geradlinig verlaufen wie die von Instrumentalisten. Wir Sänger fangen relativ spät an – Ausnahmen wie Anja Silja bestätigen die Regel. Meist geht es erst nach der Pubertät oder nach dem Stimmbruch richtig los....
