49 Mörderinnen und ein Blondinenwitz
Wien, Domgasse 5. Im ersten Stock die Wohnung, in der Mozart während der Arbeit am «Figaro» wohnte. Es sind schöne stille Räume, angefüllt mit gefrorener Zeit, und der Besucher fragt sich, ob das schrille Lachen, mit dem Tom Hulce als Faun Amadeus in Milos Formans Film nicht nur F. Murray Abrahams Salieri, sondern auch den Zuschauer nervte, dort tatsächlich je erklungen ist. Mozart und Salieri.
Viel Böses ist in diesem Zusammenhang über den Mann aus Legnano in die Welt gesetzt worden, der ganz anders war als sein Ruf und überhaupt nicht so, wie ihn noch Peter Shaffer und Forman zeigen: als nächtigen Charakter und neidischen Dunkelmann. An die Irrmeinung, Salieri habe bei Mozarts Tod giftig mitgemischt, hat schon Puschkin geglaubt, und sie hält sich noch immer. So verfälschte eine als musikhistorisch ausgegebene Schauerstory das Persönlichkeitsbild eines Mannes, dem das Musikleben seiner Wahlheimat Wien wichtige Impulse verdankte.
Wie dem auch sei: Im Theater an der Wien trafen im November die beiden vermeintlichen Kontrahenten erneut aufeinander, denn in eine Serie von Mozarts «Idomeneo», dirigiert von René Jacobs und inszeniert von Damiano Michieletto, platzte quasi eine ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Gerhard Persché
Ob Filme unbedingt den Auftritt von Stars brauchten, wurden neulich die Coen-Brüder gefragt. Das sei, antworteten sie, «ein sehr kompliziertes Thema, über das man stundenlang reden könnte». In der Oper ist die Sache so eindeutig wie im Fußball: Stars auf dem Spielfeld, besser: ein Superstar, steigern für viele Menschen den Erlebniswert einer Veranstaltung, sie...
Lilith, die erste Frau Adams, aus Lehm geschaffen wie er und nicht aus seiner Rippe; die Unbotsame, die der Männer Macht – und damit auch die eines vermeintlich männlichen Gottes – zum Lachen findet. Lilith, die beim Sex immer oben liegen will und schließlich, verbannt, protestierend das Paradies verlässt, um sich im Dämonenreich umzutun. Lilith, das role model der...
Manche Opernhäuser haben nicht nur ihre Säulenheiligen, die Bayerische Staatsoper etwa mit Mozart, Wagner und Strauss, sie hegen auch noch ihre heiligen Stücke. Und das müssen nicht unbedingt die Hits sein. Es können – wieder Beispiel München – auch auskragend komplexe, denk- und fragwürdige Dramen wie «Die Frau ohne Schatten» von Richard Strauss und Hugo von...
