Herrscher und Knecht
Es ist der vielleicht größte Albtraum eines Kritikers. Man betritt den Zuschauersaal, doch die Sache läuft bereits. Besonders schlimm: alles ist fast schon vorbei. Anfang September wurde ein solcher Albtraum zur Beinahe-Realität. Das Luzerner Theater hatte (in Kooperation mit dem Lucerne Festival) Béla Bartóks Einakter «Herzog Blaubarts Burg» angesetzt – als Nachmittagspremiere um 15 Uhr. Da der Tag herrlich sonnig war, schwamm der Rezensent vorher noch im Vierwaldstättersee, traf am Ufer Wolfgang Rihm, um dann kurz vor knapp ins Theater zu eilen.
Dort spielt nicht nur bereits das Orchester, es sind auch schon alle Türen in Blaubarts finsterer Heimstatt geöffnet. Judith, sein letztes Opfer, liegt schön drapiert auf einer winzigen Drehbühne in der Mitte, während der finstere Frauendrangsalierer böse vor sich hin starrt. Kurz nach 15 Uhr gibt es die letzten Töne, der eiserne Vorhang fällt. Applaus. Nun jedoch steht eine Frau auf und meint, so gehe es aber bitte nun wirklich nicht, man müsse den Wimpernvorhang nochmals öffnen ... Und tatsächlich beginnt das Stück von Neuem und nun im Ganzen. Es ist ein Coup, mit dem Anika Rutkofsky zu ihrer sehr dichten, eleganten und gänzlich ...
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Opernwelt 11 2022
Rubrik: Magazin, Seite 73
von Jörn Florian Fuchs
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