Alles nur Fantasie

Wagner: Der fliegende Holländer MÖNCHENGLADBACH | THEATER

Opernwelt - Logo

Das Wasser ist allgegenwärtig: In kräuselnden Wellen türmt es sich majestätisch während der Ouvertüre auf einer transparenten Projektionsfläche. Später schwappt es bedrohlich an die Bullaugen des Schiffs «Conqueror Cruises», auf dessen Deck und Unterdeck das Geschehen abläuft, dann wieder glitzert es als spiegelnde Fläche friedlich im Mondlicht. Wasser ist das Element des Holländers, der einst beim Versuch, das Kap der Guten Hoffnung zu umsegeln, Gott lästerte und daraufhin mitsamt seiner Zombiemannschaft dazu verdammt wurde, ruhelos auf den Weltmeeren umherzuirren.

 

Wasser ist in Roman Hovenbitzers Mönchengladbacher Deutung von Wagners Oper mehr als nur das Element. Wasser ist gleichsam eng assoziiert mit Senta. Schon als Kind (Klara Raeder) spielt sie am liebsten im Piratenkostüm mit dem Modell eines Segelschiffs und hat mit Puppen demonstrativ nichts im Sinn. Das sowie die fatale Vorgeschichte ihrer Familie – Sentas Mutter verstarb offenbar durch Suizid, Vater Daland betrog sie, möglicherweise mit der Amme Mary – erzählt Hovenbitzer während der sturmdurchtosten Ouvertüre in stummen Bildern. Aber auch danach taucht das Piratenkostümkind immer wieder als junges Alter Ego von ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt 11 2022
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Regine Müller

Weitere Beiträge
Bajazzo 2.0

Der «Bajazzo» war für Ruggero Leoncavallo Segen und Fluch zugleich: 1892 gelang ihm mit diesem Einakter ein Welterfolg, der ihn bis heute unsterblich macht. Doch stand dieser Glücksfall allen weiteren kreativen Bemühungen des vielseitigen Komponisten im Weg. Seine ein Jahr nach Puccinis gleichnamiger Oper herausgekommene «Bohème» konnte sich ebenso wenig...

Luft nach oben

Anfangs wurde er von einigen Kolleginnen und Kollegen für einen Statisten gehalten. Dass ein derart gutaussehender Junge vortrefflich singen könne, dazu noch höchst anspruchsvolle Tenorpartien, schien beinahe undenkbar. Aber Jonathan Tetelman vermag es tatsächlich. Mit großem Erfolg verkörperte er beispielsweise an der Deutschen Oper Berlin den Paolo in Riccardo...

Von allem zu viel

Irgendwo in der amerikanischen Spießbürgerhölle: Claire, Lehrerin, Ehefrau, Mutter und mitten in der Midlife-Crisis, hört immer öfter ein quälendes, tiefes Summen: «The Hum», ein reales Phänomen, Anlass für zahllose (Verschwörungs-)Theorien – nun Ausgangspunkt für die Uraufführung von «The Listeners», die das Osloer Opernhaus zusammen mit den Kompanien in Chicago...