Alles nur Fantasie

Wagner: Der fliegende Holländer MÖNCHENGLADBACH | THEATER

Opernwelt - Logo

Das Wasser ist allgegenwärtig: In kräuselnden Wellen türmt es sich majestätisch während der Ouvertüre auf einer transparenten Projektionsfläche. Später schwappt es bedrohlich an die Bullaugen des Schiffs «Conqueror Cruises», auf dessen Deck und Unterdeck das Geschehen abläuft, dann wieder glitzert es als spiegelnde Fläche friedlich im Mondlicht. Wasser ist das Element des Holländers, der einst beim Versuch, das Kap der Guten Hoffnung zu umsegeln, Gott lästerte und daraufhin mitsamt seiner Zombiemannschaft dazu verdammt wurde, ruhelos auf den Weltmeeren umherzuirren.

 

Wasser ist in Roman Hovenbitzers Mönchengladbacher Deutung von Wagners Oper mehr als nur das Element. Wasser ist gleichsam eng assoziiert mit Senta. Schon als Kind (Klara Raeder) spielt sie am liebsten im Piratenkostüm mit dem Modell eines Segelschiffs und hat mit Puppen demonstrativ nichts im Sinn. Das sowie die fatale Vorgeschichte ihrer Familie – Sentas Mutter verstarb offenbar durch Suizid, Vater Daland betrog sie, möglicherweise mit der Amme Mary – erzählt Hovenbitzer während der sturmdurchtosten Ouvertüre in stummen Bildern. Aber auch danach taucht das Piratenkostümkind immer wieder als junges Alter Ego von ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt 11 2022
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Regine Müller

Weitere Beiträge
Ein tödliches Spiel

Johann Sigismund Kusser war wie viele Musiker seiner Zeit ein Kosmopolit wider Willen, ruhelos hin- und hergetrieben zwischen den konkurrierenden Fürstenhöfen, kurzum: ein «weitgereister Musiker», wie die australische Musikologin Samantha Owens ihre 2017 erschienene Monografie betitelte. Mit vierzehn kam der im damals ungarischen Preßburg geborene Sohn eines...

Das Leben der Anderen

Das Theater für Niedersachsen widmet sich diese Saison dem «Hamlet»-Stoff auf mutige wie aufwendige Weise. Gleich drei Sparten – Schauspiel, Tanz und Musiktheater – stürzen sich leidenschaftlich in unterschiedlichen, modernen Sichtweisen auf das (ödipale)  Drama um den Prinzen von Dänemark. Alle drei Umsetzungen spielen im selben Bühnenbild, das Anna Siegrot...

Kongenial

Zur Eröffnung der Spielzeit wartet das Haus in der elsässischen Kapitale mit einer Uraufführung auf, in der sich Musik-, Tanz- und Sprechtheater verbinden. Der schon für das Straßburger Arsmondo-Festival 2020 vorgesehenen Premiere hatte damals die Pandemie einen Strich durch die Rechnung gemacht. Jetzt erweist sich das Werk als Wurf.

Allein die Auswahl...