Herr des Betriebs
Gegen Ende seiner Dienstzeit wurde Ioan Holender gefragt: «Sie sind in Österreich bekannter als die meisten Regierungsmitglieder – liegt das an der Position des Staatsoperndirektors, oder liegt es an Ihrer Persönlichkeit?» Seine Antwort: «Es liegt an den Regierungsmitgliedern». Natürlich war das kokett. Aber die Fragestellung ist keineswegs abwegig, denn der Direktor der Staatsoper hat in Wien tatsächlich eine Ausnahmeposition, um die ihn etwa die Amtskollegen in Berlin, London, Paris, auch New York beneiden könnten. Schon Gustav Mahler schwärmte vom «Gott der südlichen Zonen».
Holender selbst wurde als «Sonnenkönig» apostrophiert (ohne Ironie, leider); die österreichische Post gab zu seinem Abgang eine Sonderbriefmarke heraus, und eine Wiener Tageszeitung formulierte: «Dem Holender kann egal sein, wer unter ihm Bundeskanzler ist.»
Als er 1988 vom designierten Staatsoperndirektor Eberhard Waechter zum Generalsekretär der Direktion (ab 1991) berufen wurde, blies ihm heftiger Wind ins Gesicht. Denn davor war er einer der einflussreichsten Sängeragenten – er selbst zieht den Begriff «Bühnenvermittler» vor. Man befürchtete, dass er seine Agentur trotz Verkaufs über Strohmänner ...
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Herr Metzmacher, im Programmheft zur Salzburger Uraufführung von Wolfgang Rihms «Dionysos» beschreiben Sie Ihren ersten, vorsichtigen Kontakt mit der neuen Partitur. Wovor haben Sie in einer solchen Situation am meisten Angst?
Vor gar nichts. Ich bin nur neugierig. Im Falle von «Dionysos» kam die Partitur schubweise. Es war jedes Mal sehr spannend zu sehen, wie sich...
In diesen Tagen hätten die Proben zu «Metanoia» mit Christoph Schlingensief beginnen sollen. Christoph hinterlässt ein Vakuum. Er ist nicht ersetzbar. Das gilt für seine Person, aber auch für den Regisseur generell. Wir Sänger sind immer ersetzbar, auch kurzfristig. In den letzten Wochen habe ich bei den Bayreuther Festspielen sechsmal die Elsa gesungen – mit drei...
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