«Am Eros der Struktur arbeiten»

Zwischen der Oper und den Neuen Medien liegt eine Kluft. Gerade im Repertoirebetrieb fürchtet man, Musiktheater verlöre sein Gesicht, gäbe es sich den Interventionen medialer Bild-, Raum- und Klangwelten hin. Was aber sind Neue Medien überhaupt? Alles nur Hypes, die strikt nach dem Slogan «Kunst durch Strom» funktionieren? Oder nötigen sie uns nicht zu Fragen, die wir auch an die alten Medien richten müssen, wenn Oper als etwas Gegenwärtiges erhalten werden soll? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Regisseurin Johanna Dombois. Dabei sucht sie das «Experimentelle im Repertoire», um traditionelle und zeitgenössische, analoge und digitale Stile, Medien und Spielformate so zu verbinden, dass die Magie der alten Fabeln jeweils aufs Neue profiliert werden kann. Im Rahmen des Symposions «PORTALE. Musiktheater > Neue Technologien > Neue Räume», das am 11. April 2010 im Cabaret Voltaire (Zürich) stattfand, führte Richard Klein, Herausgeber von «Musik & Ästhetik», mit ihr ein Gespräch, das wir hier in einer überarbeiteten und erweiterten Fassung abdrucken. Anlass bot die Schweizer Erstaufführung der «‹Ring›-Studie 01» von Dombois, eine Produktion, bei der die Online-Computerspielplattform «Second Life»® systematisch für die In­szenierung des Wagner’schen «Rheingold»-Vorspiels eingesetzt wurde.

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Richard Klein: Meine Damen und Herren, soweit Richard Wagners «Rheingold»-Vorspiel in der Inszenierung von Johanna Dombois.

Was wir gerade erlebt haben, scheint mir ein idealer Gegenstand für die Doppelaufgabe zu sein, über die Neuen Medien im Allgemeinen und Wagners «Ring» im Besonderen zu sprechen, wirft es doch von sich aus die Frage auf: Wie überhaupt anfangen? Wie kann Neues entstehen? Was mir an der «‹Ring›-Studie 01» als Erstes auffällt ist, dass sie mit den bildkünstlerischen Mitteln der Online-Welt «Second Life»® arbeitet, diese aber in den Dienst unseres «First Life» stellt: Das Ganze endet, wie wir gesehen haben, mit einer digitalen Apotheose nicht etwa des Internets, sondern des Zürcher Opernhauses (Abb. S. 62 u. 63 re.). Das könnte überraschen, sofern Sie womöglich eine Techno-Oper erwartet haben. Alt und Neu aber gehen hier eine Verbindung ein, bei der das eine das andere nicht ausschließt, sondern inspiriert. Fangen wir deshalb mit dieser Frage an: Warum Neue Medien in der Oper, warum in diesem Fall und warum überhaupt? Sodann: Was ist das Neue daran? Und wie verhält es sich zum Alten, zur «analogen Bühne«?

Johanna Dombois: Da fällt mir als Erstes ein Faust’sches ...

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Opernwelt Jahrbuch 2010
Rubrik: Oper und Neue Medien, Seite 58
von Johanna Dombois, Richard Klein

Vergriffen
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Am Telefon: Placido Domingo

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