Diskussion Musikkritik
Es war viel Arbeit, aber auch ein großes Vergnügen: Als Vorbereitung für das Jubiläumsfest und für dieses Jahrbuch haben wir alle Hefte der «Opernwelt» aus fünfzig Jahrgängen durchgesehen. Manchmal mit einer gewissen Scheu: Wie hat die Redaktion von damals auf die gesellschaftlichen Umwälzungen von 1968 reagiert? Hatte «Opernwelt» eine gute Nase für wirklich zukunftsträchtige Talente? Sind zentrale Uraufführungen und Inszenierungen richtig eingeschätzt worden? Die Antwort fiel beruhigend aus.
Natürlich sollte die Geschichte manchmal anders entscheiden als der einzelne Kritiker. Einen Verriss von Gershwins «Porgy and Bess» (als Stück!) würde heute niemand mehr drucken. Ansonsten aber war es für uns, die heutige Redaktion, beeindruckend und informativ, wie die Kollegen verschiedener Generationen die Zeitschrift auf der Höhe der Zeit gestaltet haben.
Natürlich haben sich Diktion und Inhalte gewandelt. Manche Themen begleiten «Opernwelt» aber auch durch die Jahrzehnte. Auf den folgenden Seiten sind einige Texte zusammengestellt, über die wir uns besonders gefreut oder amüsiert haben: «Opernwelt» als Ratgeber zum Beispiel. Oder als Forum für den Diskurs. Oder als Podium für eine ...
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Am Telefon: Placido Domingo
Herr Domingo, kommt ein Belkantotenor reinsten Wassers aus Italien?
Nein, ich bin Spanier, in Madrid geboren.
Wann und wie begannen Sie zu musizieren?
Als ich neun Jahr e alt war, befreundete ich mich mit dem Klavier. Ich wollte Dirigent werden. Auch sang ich nebenher – natürlicherweise, denn sowohl mein Vater als auch meine Mutter...
Die Grundfrage für jeden Künstler lautet: Was muss ich tun, um in den Aufführungen höchste Qualität zu erreichen? Was kann ich tun, um diese Qualität zu halten oder sogar zu steigern? Die Erfahrung zeigt, dass jeder diese Frage für sich anders beantwortet. Es gibt Kolleginnen und Kollegen, die ständig in der Welt unterwegs sein müssen, um Bestleistungen zu bringen....
Gegen Ende seiner Dienstzeit wurde Ioan Holender gefragt: «Sie sind in Österreich bekannter als die meisten Regierungsmitglieder – liegt das an der Position des Staatsoperndirektors, oder liegt es an Ihrer Persönlichkeit?» Seine Antwort: «Es liegt an den Regierungsmitgliedern». Natürlich war das kokett. Aber die Fragestellung ist keineswegs abwegig, denn der...
