Tragödie aus Feuer und Licht
In einem Darmstädter Vortrag von 1961 dachte Theodor W. Adorno darüber nach, was künstlerische Utopie bedeutet. Seine Antwort: «Dinge machen, von denen wir nicht wissen, was sie sind.» Das konnte, über alle Sentenzhaftigkeit hinaus, konkret auf die Nachkriegs- und Wirtschaftswunderjahre bezogen werden. Und es hatte weitreichende Folgen. In der Oper bedeutete der viel zitierte Spruch beispielsweise einen Einspruch: Komponisten, die sich einfach ein Schauspiel aus dem Bücherregal greifen und es in Musik setzen, seien kaum ernst zu nehmen. Nicht zukunftsträchtig, hieß das Verdikt.
Weil da mit vorgestanzten Mitteln nur etwas bereits Vorhandenes bedient werde. Weil das ohnehin nur auf eine Verdoppelung hinauslaufe, auf Verflachung und Vampyrismus. Adorno wusste, wovon er sprach: Allein zwischen Ende 1945 und 1950 fanden im deutschsprachigen Raum über hundert Ur- und Erstaufführungen statt, die auf Weltliteratur zurückgriffen. Auch die folgenden Jahre waren voll davon. Was natürlich kein Zufall ist. Gerade im besiegten, nach Identität suchenden Deutschland der Adenauer-Jahre verlangten die Menschen nach festen, unzerstörbaren Werten. Literatur als Oper wärmte die Herzen und füllte die ...
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In gewissem Sinn schon. Denn man kann diesen Beruf nirgends lernen. Wer wird denn Operndirektor? Da sind einmal die Sänger am Ende einer Karriere, weil sie sich auskennen im...
Herr Meyer, in einem Interview sagten Sie, das Budget der Staatsoper sei «nicht in Ordnung» – die Wiener Staatsoper erhalte zur Zeit nicht einmal die Hälfte der Subvention der Pariser Oper. Glauben Sie, das ändern zu können?
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