Heimisches Gewächs
Man könnte denken, Johann Friedrich Agricola habe mit seinem Geburtsort geographische Gerechtigkeit walten lassen. Bald auf den Meter genau in der Mitte zwischen den Städten Altenburg und Gera liegt das Dorf Dobitschen, wo Agricola 1720 als Sohn eines «Fürstlich Altenburgischen und Freiherrlich Bachofenischen Kammeragenten und Gerichtsdirektors» zur Welt kam. Gemeint ist die Adelsfamilie Bachofen von Echt, die dort ein Wasserschloss besaß.
Als Agricolas Oper «Achille in Sciro» im vergangenen April vom Theater Altenburg Gera erstmals nach der Potsdamer Uraufführung wieder auf die Bühne gebracht wurde, durften sich also beide Orte des 1995 fusionierten Theaters gleichermaßen im Licht der Wiederentdeckung sonnen. Mit leichten Vorteilen bei Altenburg. Offiziell liegt Dobitschen im «Altenburger Land». Gleichwohl fand Agricola sein Glück weiter nördlich: In Leipzig nahm er bei Johann Sebastian Bach Unterricht, über dessen Sohn Carl Philipp Emanuel kam er 1741 nach Berlin, wo er Zugang fand zum musikalischen Kreis um Friedrich den Großen. Zehn Jahre später wurde er Kammermusiker und Hofkomponist des Königs, blieb damit aber eine Stufe unter dem Hofkapellmeister Carl Heinrich Graun. Das ...
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Opernwelt Mai 2025
Rubrik: Medien, Seite 37
von Clemens Haustein
Der Anfang ist eigentlich schon das Ende. Ein Mann im schwarzen Anzug, allein und einsam auf weiter, weißer Flur (Bühne: Klaus Grünberg). Wir ahnen, es ist der Titelheld, jener legendenumsponnene Pharao, der im 14. Jahrhundert v. Chr. eine Zeitlang über Ägypten herrschte und von dem man wenig mehr weiß. Und selbst dieses Wenige hüllt seine Gestalt mehr in Nebel,...
Der Protagonist als leuchtendes Vorbild? Zumindest der Beginn dieser Uraufführung, die sein Name titelgebend ziert, suggeriert dergleichen. Noch ist kein einziger Ton erklungen, da sieht man das Gesicht dieses Mannes. Geisterhaft hebt es sich aus einem Bühnendunkel ab, das sich dann nach und nach mit seiner Handschrift füllt, so als wären es vor allem Gedanken und...
Ein paar Zentimeter sind es nur, aber in diesem Moment, beim letzten Zusammentreffen von Tatjana und Onegin, fühlt es sich an wie ein Theatercoup. Ein Bühnenrechteck mit beiden fährt nur eine Handbreite nach oben, hier aber macht das den Eindruck einer Himmelfahrt. Solch eine Detailwirkung kann es nur geben, wenn eine Aufführung mit extremer Ökonomie der szenischen...
