Eros und Gewalt
m Schluss der neunzigminütigen Aufführung stolperte Hans Neuenfels wie ein großes Kind auf die Bühne des Basler Theaters: als wollte und könnte er die Begeisterung des Publikums nicht recht begreifen. Das Ritual, das sonst allerorten die Premieren beherrscht – Beifall für die Solisten und den Dirigenten, Buhs für das Regieteam – war an diesem Abend außer Kraft gesetzt. So konzentriert auf den inneren Ton der Musik hörend, so bedingungslos der atemlos abrollenden Dramaturgie eines Stücks dienend hat man Neuenfels lange nicht mehr erlebt.
Da war alles weggewischt, was viele seiner Arbeiten fürs Musiktheater in den letzten Jahren oft beschädigte und Kritiker wie Publikum ratlos machte: die überstürzte Bilderflut, die verrätselte Privatmythologie, die spiegelnde Verdoppelung der Figuren, nicht zuletzt die zusätzliche Schauspielertruppe, die neben und am Stück vorbei eine andere Geschichte erzählt. Der antike Amazonen-Stoff, seine romantische Radikalisierung durch Heinrich von Kleist und deren musikalische Brechung durch Othmar Schoeck scheint für Neuenfels eine solche Herausforderung gewesen zu sein, dass er sich bedingungslos auf das Werk einließ.
Schoecks 1927 uraufgeführte ...
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