Magische Momente
Ein szenisches Wagnis kann man den neuen «Macbeth» an der Metropolitan Opera kaum nennen. Bei seiner ersten Regiearbeit für das Haus setzte Adrian Noble, langjähriger Künstlerischer Leiter der Royal Shakespeare Company, auf einen monumentalen, prestigebewussten, luxuriösen und etwas anonymen Stil, den sein Vorgänger Trevor Nunn mit epischen Inszenierungen wie «Cats», «Nicholas Nickleby» oder «Les Misérables» zur Hochblüte trieb. Das karge (doch nicht abstrakte) Dekor sorgt für eine düstere, missmutige Atmosphäre.
Gespielt wird in einer Art Arena, die ein Halbrund kahler Bäume begrenzt. Ein Bett, ein paar Stühle, vier bewegliche Riesensäulen, ein Jeep – diese Requisiten reichen, um die verschiedenen Orte der Handlung zu markieren.
Das Personal trägt moderne Kleidung: Uniform oder Abendgarderobe, lediglich die Kronen des Königspaars haben einen dezidiert gotischen Touch. Die Hexen huschen in dunklen Schuhen und weißen Socken durch diese Schattenwelt, auf den krausen Perücken ein staunenswertes Arsenal hässlicher Hüte. Mit ihren im Rhythmus der Musik geschwungenen Handtaschen wirken sie wie leicht verrückte Pennerinnen. Die Morde fallen sehr blutig aus – der einzige Farbakzent ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ulrich Peters hat zu Beginn seiner Intendanz am Gärtnerplatztheater auf einen großen Namen gesetzt und mit dem siebzigjährigen Alfred Kirchner (dessen Inszenierung der «Soldaten» 1987 in Frankfurt ebenso unvergessen ist wie sein «Lohengrin» auf dem Campingplatz in Oslo) dennoch nicht das große Los gezogen. An zwei zentralen Figuren wird die Crux der Inszenierung...
«Ich bin Samiel, ihr habet Teil an mir. Ich bin durch euch und komm’ durch euch zur Tat. Ihr könnt mich sehen. Doch ihr wollt blind nur sein.» Regisseur Wolfgang Lachnitt und sein Dramaturg Bernhard Lenort haben dem Bösen neue Worte in den Mund gelegt. Damit wollen sie sich nicht interpretatorisch aufplustern, nein, die Texte sind einzig dazu gedacht, die krude...
Oper im Fernsehen – das ist eine Herausforderung der besonderen Art. Aber auch ein Erlebnis der besonderen Art. Der Zuschauer im Parkett oder auf dem Rang sieht anders als Kameras, die zum Beispiel ein herangezoomtes Gesicht als schillernde Gefühlslandschaft zeigen können. Das Ohr im Saal hört anders als Mikrofone, mit denen sich das Wechselspiel von Stimmen und...
