Magische Momente

New York, Metropolitan Opera, Verdi: Macbeth

Opernwelt - Logo

Ein szenisches Wagnis kann man den neuen «Macbeth» an der Metropolitan Opera kaum nennen. Bei seiner ersten Regiearbeit für das Haus setzte Adrian ­Noble, langjähriger Künstlerischer Leiter der Royal Shakespeare Company, auf einen monumentalen, prestigebewussten, luxuriösen und etwas anonymen Stil, den sein Vorgänger Trevor Nunn mit epischen Inszenierungen wie «Cats», «Nicholas Nickleby» oder «Les Misé­rables» zur Hochblüte trieb. Das karge (doch nicht abstrakte) Dekor sorgt für eine düstere, missmu­tige Atmo­sphäre.

Gespielt wird in einer Art Arena, die ein Halbrund kahler Bäume begrenzt. Ein Bett, ein paar Stühle, vier bewegliche Riesensäulen, ein Jeep – diese Requisiten reichen, um die verschiedenen Orte der Handlung zu markieren.
Das Personal trägt moderne Kleidung: Uniform oder Abendgarderobe, lediglich die Kronen des Königspaars haben einen dezidiert gotischen Touch. Die Hexen huschen in dunklen Schuhen und weißen Socken durch diese Schattenwelt, auf den krausen Perücken ein staunenswertes Arsenal hässlicher Hüte. Mit ihren im Rhyth­mus der Musik geschwungenen Handtaschen wirken sie wie leicht verrückte Pennerinnen. Die Morde fallen sehr blutig aus – der einzige Farbakzent ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2007
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Matthew Gurewitsch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Humperdinck: Königskinder (A. Jordan)

Der Mitschnitt einer konzertanten Aufführung der ­«Königskinder» vom Juli 2005 aus Montpellier ist wohl eine der letzten Aufnahmen des am 20. September 2006 gestorbenen Armin Jordan, der ursprünglich auch die neue Zürcher Produktion dirigieren sollte. Seine Opern-Diskografie ist schmal. Immerhin sind auf CD ­erschienen: «Pelléas et Mélisande» (1981), «Le Roi...

­Die Opernbühne als pädagogische Anstalt

Mit seiner jüngsten Opernausgrabung hat Christophe Rousset ins Schwarze getroffen. Wieder mal. Die zehn Jahre nach Lullys Tod 1697 in Paris uraufgeführte Tragédie lyrique «Vénus et Adonis» des zeitweiligen Hofmusikers Henry Desmarest, den Zeitgenossen «le petit Marais» nannten, folgt dem Modell des großen Schöpfers der französischen Oper, fügt ihr aber eine eigene...

Gefährliche Liebschaften

Unter den vielen Barockopern, die seit etwa dreißig Jahren auch klingend wieder entdeckt werden (Wissenschaftlern und Archivaren waren sie seit je bekannt), gehört Antonio Mazzonis «Il re pastore» zu den wirklich hörenswerten. Juan Bautista Otero hat sie mit der lebendig, pikant und blitzsauber musizierenden Real Compañía Ópera de ­Cámara 2006 unter dem Titel...