Heilige Familie

Unplugged, pur und wahrhaftig: Brigitte Fassbaender und Erik Nielsen runden ihren Erler «Ring» mit «Siegfried» und der «Götterdämmerung»

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Von der alten Welt bleibt ein Bretterhaufen, aufgeschichtet während des Trauermarsches über der Leiche Siegfrieds, später umwabert von Trockeneis und im Flackerrotlicht. Mehr geht nicht im Passionsspielhaus, und mehr soll auch nicht sein, wie die Regisseurin findet. Unter anderem, weil der Weltenbrand light ohnehin von einem schwarzen Loch verschluckt wird: Gerade hat Alberich seinen gescheiterten Sohn Hagen erwürgt, nun tritt er an die Rampe, während die Musik im finalen Aufrauschen das Prinzip Hoffnung behauptet.

Brigitte Fassbaender nimmt damit den «Ring des Nibelungen» beim Wort. Alles darf nun von vorn losgehen – eine dunkle, böse Rundung der 15 Stunden. Gier und Bosheit überleben, aus gehabtem Schaden nichts gelernt. Minuten später könnte das tiefe «Rheingold»-Es wieder wummern.

Nicht nur die Apotheose wird beim Erler «Ring» verweigert, auch vieles andere mehr. Vor allem Ausstattungsschlachten: Es gibt keine Hinterbühne, dort sitzt bekanntlich – durch Gaze getrennt – auf einer steilen Tribüne das Orchester der Tiroler Festspiele. Rechts und links der Szene ist rudimentär Platz, manchmal, sehr selten wird etwas aus dem Dachgebälk herabgelassen. Für den «Siegfried», der in ...

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Opernwelt 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Markus Thiel

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