Heilige Familie
Von der alten Welt bleibt ein Bretterhaufen, aufgeschichtet während des Trauermarsches über der Leiche Siegfrieds, später umwabert von Trockeneis und im Flackerrotlicht. Mehr geht nicht im Passionsspielhaus, und mehr soll auch nicht sein, wie die Regisseurin findet. Unter anderem, weil der Weltenbrand light ohnehin von einem schwarzen Loch verschluckt wird: Gerade hat Alberich seinen gescheiterten Sohn Hagen erwürgt, nun tritt er an die Rampe, während die Musik im finalen Aufrauschen das Prinzip Hoffnung behauptet.
Brigitte Fassbaender nimmt damit den «Ring des Nibelungen» beim Wort. Alles darf nun von vorn losgehen – eine dunkle, böse Rundung der 15 Stunden. Gier und Bosheit überleben, aus gehabtem Schaden nichts gelernt. Minuten später könnte das tiefe «Rheingold»-Es wieder wummern.
Nicht nur die Apotheose wird beim Erler «Ring» verweigert, auch vieles andere mehr. Vor allem Ausstattungsschlachten: Es gibt keine Hinterbühne, dort sitzt bekanntlich – durch Gaze getrennt – auf einer steilen Tribüne das Orchester der Tiroler Festspiele. Rechts und links der Szene ist rudimentär Platz, manchmal, sehr selten wird etwas aus dem Dachgebälk herabgelassen. Für den «Siegfried», der in ...
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Opernwelt 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Markus Thiel
Seit der Spielzeit 2019/2020 ist Leslie Suganandarajah Musikalischer Direktor am Landestheater Salzburg. Wir treffen ihn an einem Junitag in Hannover, seiner Heimatstadt. Geboren wurde er allerdings in Colombuthurai, im Norden Sri Lankas. Das war 1983. Der Mann ist also jung, keine 40. Und es ist jener Junitag, an dem in vielen Teilen Deutschlands «gefühlt» die...
Auf der Suche nach einer passenden Oper für die Musikfestspiele Potsdam stieß der Dramaturg Peter Reichelt auf ein Werk, das 1768 im Schlosstheater des Neuen Palais, damals eine Art riesiges Gästehaus im Park von Schloss Sanssouci, mit großem Erfolg gespielt worden war: Giuseppe Scarlattis «I portentosi effetti della Madre Natura» (Die wundersamen Wirkungen von...
Mit Beethoven hat die Schweinerei in der Musik begonnnen.» Der Satz könnte manchen Klassikverehrer schier in Rage versetzen: als kulturrevolutionär-dadaistische, schier blasphemische Schmähung eines schlechthin Erhabenen. Dabei stammt die Sentenz mitnichten von einem dandyhaften Provokateur: Der Wiener Komponist Josef Matthias Hauer geriet zwar mit Arnold Schönberg...
