Hasentheater
Das Buch kennt (fast) jedes Kind. Albert Sixtus’ anno 1924 erschienene «Häschenschule» zählt zu den Klassikern seines Genres, und das nicht nur der amüsanten Geschichten wegen, die Sixtus weiland für seinen Sohn erfand; auch den Illustrationen von Fritz Koch-Gotha eignet mit ihrem liebevollen Blick auf humane wie animalische Charakteristika erkleckliches künstlerisch-erzählerisches Potenzial. Der Mensch erkennt sich (gewissermaßen mit angelegten Ohren) im Hasen wunderbar wieder: So bin ich, auch wenn ich vielleicht nicht unbedingt so sein möchte.
Für seine Inszenierung von Webers «Freischütz» 99 Jahre später hat sich Francis Hüsers, regieführender Intendant des Theaters Hagen, dies nach wie vor populäre Kinderbuch zum Vorbild genommen. Auf der in vielen Farben leuchtenden Bühne von Mathis Neidhardt, die wie eine gelungene Fantasiekopie der Zeichnungen Koch-Gothas anmutet und in ihrer Naivität beinahe schon Kindertheater-Atmosphäre atmet, agieren die Protagonistinnen und Protagonisten in niedlich-bunten Hasenkostümen – mit Hasenohren, Hasenfüßen, Hasenschwänzen – und hasenhafter Scheu. Der Grund steht leibhaftig vor ihnen: Oberlehrer Kuno (Oliver Weidinger) ist ein gestrenger Herr ...
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Opernwelt April 2023
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Jürgen Otten
Charles Laughton! In «The Paradine Case» aus dem Jahr 1947 spielt er einen Richter, der in privatem Rahmen die Frau ausgerechnet jenes Verteidigers angrapscht, der gerade alles unternimmt, um einen Freispruch in einem Mordprozess zu erwirken, der unter Laughtons Vorsitz stattfindet. Wenn sie als brave Gattin ihrem Mann helfen wolle, so das unausgesprochene...
Es sind Klänge wie aus dem Urgrund des Seins, die da im Vorspiel zum dritten Aufzug von Wagners Handlung aus dem Orchestergraben drängen. Diese Musik hat den Odem von warmem, lastend dampfendem, dunklem Humus, auf dem einst von Tristans Vätern die Burg Kareol erbaut wurde, die offenbar weit weniger ein Ort der rauschenden Feste ist, doch eher Blaubarts fensterlosem...
Ein Königreich für eine Wampe, pardon, für ein Embonpoint? Nicht in Nürnberg. Claudio Otellis Falstaff ist zwar kein James Dean und auch kein Casanova – ein Fettwanst aber ebensowenig. Seine Baritonstimme gleicht der Figur. Leicht füllig ist sie, dabei durchaus gelenkig, weder überbordend noch schwammig, eher stabil, gutsitzend in Mittellage wie Tiefe und...
