Magische Momente
Es sind Klänge wie aus dem Urgrund des Seins, die da im Vorspiel zum dritten Aufzug von Wagners Handlung aus dem Orchestergraben drängen. Diese Musik hat den Odem von warmem, lastend dampfendem, dunklem Humus, auf dem einst von Tristans Vätern die Burg Kareol erbaut wurde, die offenbar weit weniger ein Ort der rauschenden Feste ist, doch eher Blaubarts fensterlosem Schloss und dessen Verliesen ähnelt.
Frank Beermann kreiert hier mit den Streichern des Orchestre national du Capitole einen echten Furtwängler-Moment, hat mit den famosen französischen Musikern so etwas wie den seit Jahrzehnten aus der Mode gekommenen deutschen Klang gewagt. Wofür die Musiker aus dem Süden den Kapellmeister aus dem Norden zu lieben scheinen. Als er zum letzten Aufzug erneut auftritt, applaudieren sie ihm begeistert. Und er gibt das Lob hernach mit jener Geste zurück, mit der Daniel Barenboim nach glorreichen Wagner-Exerzitien so gern seiner Staatskapelle Berlin huldigte: Das gesamte Orchester erscheint am Ende in Toulouse auf der Bühne. Logisch, hatte es doch bei dieser Premiere von «Tristan und Isolde» fürwahr eine Hauptrolle gespielt.
Beermann und Toulouse, das war so etwas wie Liebe auf den ersten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2023
Rubrik: Porträt, Seite 58
von Peter Krause, Jürgen Otten
Das Buch kennt (fast) jedes Kind. Albert Sixtus’ anno 1924 erschienene «Häschenschule» zählt zu den Klassikern seines Genres, und das nicht nur der amüsanten Geschichten wegen, die Sixtus weiland für seinen Sohn erfand; auch den Illustrationen von Fritz Koch-Gotha eignet mit ihrem liebevollen Blick auf humane wie animalische Charakteristika erkleckliches...
Nishni Nowgorod liegt am Zusammenfluss von Oka und Wolga. Im 19. Jahrhundert nannte man sie sogar «die dritte Hauptstadt Russlands». Vor kurzem feierte die Millionenmetropole ihr 800-jähriges Jubiläum, und aus diesem Anlass wurde vieles restauriert. Weniger freundlich behandelte man seitens der politischen Elite bislang die Oper. Nun jedoch hat der neue...
Mit seiner Inszenierung von Wagners «Parsifal» – einer der tiefsinnigsten und bildmächtigsten Regiearbeiten während der Intendanz von Peter Gelb – feierte François Girard 2013 einen Triumph an der Met. Enttäuschend fiel dagegen sieben Jahre später seine Lesart des «Fliegenden Holländers» aus, mit einer ineffektiven Personenführung und überflüssigen Videoeffekten....
