Magische Momente
Es sind Klänge wie aus dem Urgrund des Seins, die da im Vorspiel zum dritten Aufzug von Wagners Handlung aus dem Orchestergraben drängen. Diese Musik hat den Odem von warmem, lastend dampfendem, dunklem Humus, auf dem einst von Tristans Vätern die Burg Kareol erbaut wurde, die offenbar weit weniger ein Ort der rauschenden Feste ist, doch eher Blaubarts fensterlosem Schloss und dessen Verliesen ähnelt.
Frank Beermann kreiert hier mit den Streichern des Orchestre national du Capitole einen echten Furtwängler-Moment, hat mit den famosen französischen Musikern so etwas wie den seit Jahrzehnten aus der Mode gekommenen deutschen Klang gewagt. Wofür die Musiker aus dem Süden den Kapellmeister aus dem Norden zu lieben scheinen. Als er zum letzten Aufzug erneut auftritt, applaudieren sie ihm begeistert. Und er gibt das Lob hernach mit jener Geste zurück, mit der Daniel Barenboim nach glorreichen Wagner-Exerzitien so gern seiner Staatskapelle Berlin huldigte: Das gesamte Orchester erscheint am Ende in Toulouse auf der Bühne. Logisch, hatte es doch bei dieser Premiere von «Tristan und Isolde» fürwahr eine Hauptrolle gespielt.
Beermann und Toulouse, das war so etwas wie Liebe auf den ersten ...
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Opernwelt April 2023
Rubrik: Porträt, Seite 58
von Peter Krause, Jürgen Otten
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