Hase und Igel

Er war schon vor Rossini da – und wie! Giovanni Paisiellos «Il barbiere di Siviglia» im Theater an der Wien

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Der dunkle Bruder des Erfolgs heißt Vergessen. Wie bei Glucks und Bertonis «Orfeo», Mozarts und Gazzanigas «Don Giovanni». Oder eben bei Gioacchino Rossinis und Giovanni Paisiellos «Il barbiere di Siviglia». Warum wurde das eine Werk von der Rezeption hofiert, das andere hingegen auf ein Abstell- oder zumindest Nebengleis geschoben? Bei Paisiellos «Barbiere» mag ein Grund dafür der Mangel an «Hits», die man auf der Straße pfeifen kann, an musikalischen Schmeicheleinheiten für ein breiteres Publikum sein.

In diesem 1782 in Sankt Petersburg uraufgeführten dramma giocoso scheint alles feiner gesponnen als bei Rossini, weniger auf den musikalischen Schlager hin geschnitzt.

Sicherlich spielt dabei ein Phänomen hinein, das Nikolaus Harnoncourt nie müde wird zu erwähnen: dass die Leute vor dem 19. Jahrhundert gebildeter waren, zumindest jene, die in die Oper gingen –, dass also musikalische Feinheiten und Allusionen unmittelbar verstanden wurden. Beispielsweise die Art, wie Paisiello die Vita des Figaro als Diener des Grafen und als freier Dichter in dessen erster Arie kommentiert (Andrè Schuen singt und spielt ihn in Wien hinreißend). Da nimmt die Musik mal die Pose des Menuetts, mal ...

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Opernwelt April 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Gerhard Persché

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