Aus dem Leben eines Taugenichts
Im Klassik-Jetset trifft man unausweichlich auf diesen ganz bestimmten Typ. Dem Aussehen nach lebt er ausschließlich von miesem Airlinefraß und matten Pausenhäppchen. Die Zähne schimmern gräulich, der Atem haucht Theatermoder. Über seiner Schulter hängt eine abgewetzte Kunstledertasche, und das ist dann auch schon alles, was er an Gepäck dabei hat. Darin: ein Laptop und einer dieser großen Mehrjahres-Pappkalender. Als Bodensatz Nähsets und Seifenfläschchen aus billigen Hotels.
Schließlich ein einzelnes Paar Unterhosen, die er immer schön im Wechsel trägt mit denen, die er am Leib hat. Die Ausrüstung ist so sehr mit seinem Wesen verschmolzen, dass er selbst ohne Tasche in latenter Dauerschräglage steht – ein schiefer Turm von Pisa aus Fleisch und Blut.
Wenn Sie so einen in der Oper sehen, wissen Sie: Aha, ein Agent. Meine Agenten jedenfalls haben alle so ausgesehen. Und ich hatte viele.
«Was denn, meine Künstler kriegen doch 90 Prozent von dem, was ich verdiene!», witzeln Agenten gern, als wäre alles ihr Verdienst. Mal ehrlich: Den Sänger, der darüber lachen kann, muss ich erst noch kennenlernen.
Meinen ersten Agenten habe ich zum Teufel gejagt, als er mit einem Vertrag ein ganzes ...
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Opernwelt April 2015
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Christopher Gillett
Die Hoffnung, dass alles schon irgendwie gutgehen wird – in Annie Proulx’ Wyoming-short stories wird sie kunstvoll langsam, aber gnadenlos zermalmt. Vielleicht ist es das, was Charles Wuorinen bei der Veroperung von «Brokeback Mountain» (siehe OW 3/2014) mit seinen unwirschen Orchestertexturen einfangen wollte. Sie treffen den Nerv der zermürbenden Streitereien,...
Frau Wagner, im Internet gibt es eine Aufnahme, da singen Sie Puccinis «O mio babbino caro», und beim ersten «Si, si» passiert’s: Sie verlieren diesen Riesenohrring ...
Und meine Schreckgrimasse schwirrt jetzt auf ewig im Internet herum (lacht). Das Ding war einfach zu schwer! Bei solchen Missgeschicken gilt: Weitersingen ist alles! Man muss spontan sein.
Die...
Hätte Emilio de’ Cavalieri seine «Rappresentatione di anima et di corpo» ein paar Monate später geschrieben, wäre die Musikgeschichte ein wenig übersichtlicher. Dann nämlich bliebe es dabei, dass die «Euridice» des Gattungserfinders Jacopo Peri auch die erste vollständig erhaltene Oper ist. So aber droht ihr Cavalieris ebenfalls im Heiligen Jahr 1600 uraufgeführtes...
