Harmonie der Welt?
Musik und Zahlen? Tonkunst und Mathematik? Nie und nimmer, mag der Musikliebhaber denken, hat die hoch verehrte Muse etwas mit der schnöden, emotionslosen Welt des Rechnens zu tun, abgesehen vielleicht davon, dass Kunst ja auch bezahlt werden will.
Ist es nicht geradezu ein Schlagwort in der Debatte um die Kulturförderung, dass Kunst sich eben nicht rechnet, sich allenfalls für die Gesellschaft rentiert? Keine Frage, in einer Zeit, in der die Leiter von Kulturbetrieben infolge permanenter Mittelkürzungen eigentlich nichts anderes mehr machen, als zu rechnen, mag das Thema Musik und Zahl unangenehme Assoziationen hervorrufen. Einerseits. Es gibt aber auch Zeitgenossen, die davon überzeugt sind, dass sich nachgerade alle Phänomene der menschlichen Anschauung und eben auch oder sogar gerade die Musik, mit Zahlen in Verbindung bringen lassen, ja sogar durch eine verborgene zahlenmäßige Ordnung bestimmt sind. Sie denken dabei an organische Zahlenproportionen wie den goldenen Schnitt, der sich in der Pflanzenwelt, aber, wie aus der berühmten Darstellung Leonardo da Vincis bekannt, auch am menschlichen Körper studieren lässt. Auch die Form von Kristallen oder die Laufbahn von ...
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Bereits Felix Weingartner, vor gut hundert Jahren der wohl leidenschaftlichste Vorkämpfer für Berlioz’ «Benvenuto Cellini», war sich über die Schwierigkeiten dieser Oper vollauf im Klaren: «Cellini» brauche eine angemessene Aufführung nötiger als irgendein anderes Meisterwerk, schrieb der ehemalige Generalmusikdirektor der Wiener und Berliner Hofoper 1912, und...
Mal wandert ein Lichtstreif von links nach rechts; mal treibt ein schwarzer Strich die Figuren auf der hellen Bühne vor sich her; mal trennt er die, die zusammen wollen. Das Licht ist an diesem Abend eine eigenständige dramatis persona. Die Menschen bewegen sich im Tempo der Musik, also in slow motion, sind in ihren Gängen und Gesten strikt aufeinander bezogen....
Über dieser Premiere hingen dunkle Wolken. Intendant Albrecht Puhlmann und der ursprünglich vorgesehene Regisseur David Alden hatten sich bei Probenbeginn so zerstritten, dass Alden das Stück zurückgab. Puhlmann gelang es, Calixto Bieito zu gewinnen, der «Jenufa» noch nie inszeniert hatte, mehr oder weniger die Bühnenbild- und Kostümentwürfe seines Vorgängers...
