Halbseiden

Schönberg: Pierrot lunaire Langemann: Anna Toll Frankfurt / Bockenheimer Depot

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Ein ehrgeiziges Unternehmen, was da als Auftragswerk der Frankfurter Oper in deren Zweitspielstätte, dem Bockenheimer Depot, lanciert wurde: die Geburt einer «Operette» weit im 21. Jahrhundert. Selbstverständlich zieht Michael Langemanns Anderthalbstünder «Anna Toll oder Die Liebe der Treue» seinen Nährstoff aus der «authentischen» Operettenzeit um 1900; hinter dem kalauernden Titel ist unschwer der «Anatol»-Stoff Arthur Schnitzlers zu erkennen, eine bühnentaugliche ­Materialsammlung über die erotischen Bräuche im Wien der ausgehenden k.u.k.

-Epoche, über jenes munter-melancholische Libertinage-Gebaren, das man, je nach Gusto, als Neo-Rokoko einer müßiggängerischen Klasse oder auch (und damit schon hart an Otto Weininger) als anthropologisch ewige Mann-Weib-Relation deuten kann. Operettenmäßig ist denn auch Langemanns Musik, die sich in mild verfremdeter, aber robuster Tonalität sequenzfreudig und klischeegewandt bewegt und sogar so etwas wie Wiener Charme anstrebt, wobei die ererbten Tonfälle von Richard Strauss («Schlagobers») über Wolf-Ferrari bis hin zu Lehár und Künnecke Hilfestellung leisten.

Das Vergnügen an einer überfälligen Reanimation leichter musikalischer Bühnenmuse ...

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Opernwelt September/Oktober 2016
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Hans-Klaus Jungheinrich

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