Halbe Sache
Donizetti polarisiert: Außer wenigen eingeschworenen aficionados kennt kaum jemand mehr als dessen vier oder fünf «Longseller». Was soll man auch von einem Vielschreiber erwarten, der bisweilen an vier Opernpartituren gleichzeitig arbeitete? (Freilich wird die Frage, was man von einem Komponisten halten soll, der manchmal mehr als fünf Lieder an einem Tag schrieb, beim ebenfalls 1797 geborenen Schubert nie gestellt.
)
Dabei gelang Donizetti vor allem in seinen letzten Lebensjahren Herausragendes – nicht nur im komischen Genre mit «La Fille du régiment» und «Don Pasquale», sondern vor allem im tragischen. Außer «Maria di Rohan» ist vor allem «Dom Sébastien», die letzte Pariser Oper, zu nennen: Die 2007 erschienene Referenzaufnahme unter Mark Elder brachte ein Meisterwerk zum Vorschein.
Auch die neueste Initiative von «Opera Rara» ist ein Meilenstein: die allererste Studioproduktion der 1838 begonnenen, aber nicht zu Ende komponierten Oper «Le Duc d’Albe». Und zwar in der französischen Originalsprache, denn nur so kommt Donizettis Experimentieren mit prägnanten Rhythmen und hoch dramatischer Deklamation zur Geltung – eine offensichtliche Parallele zu Verdis «Vêpres siciliennes», denen ...
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Opernwelt Mai 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Anselm Gerhard
Lyon, 22. März 2016: Vor der Vorstellung von «Benjamin, dernière nuit» tritt jemand vor den Vorhang und bittet um mitfühlendes Schweigen für die Opfer der Brüsseler Anschläge am Morgen des gleichen Tages. In der Stille denken wir daran, wie sehr diese Karwoche Leid und Tod ohnehin in den Mittelpunkt rückt. Und dass Gottes Name schon immer zur Rechtfertigung von...
Hört man «Satanella», wird man an William Schwenck Gilbert and Arthur Sullivan erinnert – nur, dass hier wohl alles todernst gemeint ist. Oder doch eher nicht? Vielleicht auch tongue in cheek? Auf jeden Fall dürften Gilbert & Sullivan in diesem Stück genügend Material für ihre Parodien der viktorianischen Oper gefunden haben, das überraschende «Happy ending»...
Macbeth
Gleich zwei Schweizer Opernhäuser bringen Verdis Shakespeare-Drama heraus. In Zürich spitzen Teodor Currentzis und Barrie Kosky das Stück dunkel zu (mit Markus Brück in der Titelpartie); in Basel widmen sich Erik Nielsen und Olivier Py Macht und Mord.
Agneta Eichenholz
Ihre Rollen bereitet die Sopranistin stets von langer Hand vor – und entwickelt dabei in...
