Eine Welt erschaffen
Sie sind der Mann für besondere Opernfälle. Wünscht man sich eine solche Position oder rutscht man da hinein?
Ich bin sehr früh mit außergewöhnlichem Repertoire in Berührung gekommen. Schon unter meinen ersten Engagements als Solist waren Uraufführungen. Doch ich sagte mir: Du musst unbedingt eine normale Mainstream-Karriere machen. Mit Festengagement und allem. Das hat ja viel mit Psychologie zu tun. Ich dachte immer, ich müsse mir mit dem üblichen Weg beweisen, dass ich ein vollwertiger Sänger bin.
In meinem damaligen Denken war eine internationale Karriere gar nicht vorstellbar. In dieser Phase habe ich intensiv an meiner Persönlichkeit gearbeitet. Und mit der Zeit ist dieser Zwang von mir abgefallen. Ich merkte: Das moderne Repertoire ist das, was ich schwerpunktmäßig machen will. Mozart und all die anderen Komponisten haben schließlich immer für die Sänger ihrer Zeit geschrieben. Und ein solches Privileg wird nun mir zuteil. Abgesehen davon: Mozart würde lachen, wenn er sehen könnte, wie gering der Anteil zeitgenössischer Werke in den Opernspielplänen ist.
War der Mainstream also mit Frust verbunden?
Ich war bei den Regensburger Domspatzen. Die extreme Disziplin hat einen ...
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Opernwelt Mai 2016
Rubrik: Interview, Seite 38
von Markus Thiel
Gut, wenn man Verwandtschaft hat! Engelbert Humperdinck wäre aus seiner Schaffenskrise vielleicht nie herausgekommen, hätte seine Schwester nicht Vertonungen ihrer Liedtexte benötigt: Ein Puppenspiel wollte sie einstudieren, «Hänsel und Gretel», nur für den Hausgebrauch. Humperdinck machte gleich eine abendfüllende Oper daraus, Schwager und Vater stiegen in die...
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