Händel: Julius Cäsar
Im Wiesbadener Publikum fährt der Adrenalinspiegel hoch: Mit großem Gepolter kracht ein Obelisk durch die Pyramidenwände der Bühne. Nieder mit Ägypten: Das Heer des Julius Cäsar seilt sich schwindelfrei vom Bühnenturm ab. Große Geschütze also für die populärste aller Händel-Opern? Zum Glück nicht. Der eröffnende Donnerschlag war schon der gröbste. Der Rest ist, abgesehen von Reminiszenzen an barockes Zaubertheater, raffiniertes Kammerspiel.
Die Kostüme feiern eine barocke Ägyptenmode, die auch aus einem «Asterix und Cleopatra»-Film stammen könnte – und lockern etwa mit einem Damen-Orchester auf der Bühne zu Cleopatras erstem Erscheinen vor Cäsar die Handlung humoristisch auf.
Regisseur Markus Bothe sucht nach der «Liebesmaschinerie» der Vorlage: Er findet sie immer dann, wenn er auf die Ernsthaftigkeit der Figuren vertraut – und das tut er erfreulich oft. Insgesamt ein mit leichter Hand inszenierter «Cäsar» – gut eingepasst in die Barock-Raritäten der vergangenen Spielzeiten am Wiesbadener Staatstheater. Ermutigendes Zeichen für gute Ensemblepflege: Bis auf einen Gast-Countertenor sind die meisten Partien aus den eigenen Reihen doppelt besetzt. Ute Döring ist ein nicht nur ...
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