Gute Unterhaltung
Der letzte Tag einer Ehe, so könnte man die Geschichte von Medea überschreiben. Einer nicht besonders glücklichen Ehe natürlich, denn Medea ermordet ihre eigenen Kinder. Luigi Cherubini hat diesen mythischen Stoff 1797 vertont: ein Meisterwerk irgendwo zwischen Klassik und Romantik, das dank Maria Callas nicht ganz vergessen wurde. Derzeit erscheint es plötzlich überall auf dem Spielplan, auch bei der Reisoper im niederländischen Enschede.
Berichte über Kindermorde durch Eltern liest man mehr denn je in den Tageszeitungen.
Das Thema ist heute also genauso aktuell wie im antiken Griechenland oder im von der Revolution zerrütteten Paris zu Cherubinis Zeiten. Bariton Dale Duesing, der vor einiger Zeit sein erfolgreiches Regiedebüt in Frankfurt gab, zeigt bei «Medea» eine verfremdete und doch zeitgenössische Welt, in der die Menschen scheinbar glücklich in Frieden zusammenleben, obwohl man Gruppenzwang und dogmatische Ehrfurcht spürt. Eine Anspielung auf die in einer vorindustriellen «heilen» Welt verharrende Sekte der amerikanischen Amish People? Es sind gerade homogene, geschlossene Gesellschaften, die Außenseiter und Kritiker verstoßen und damit Widerstand und Rache provozieren.
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