Krieg und Glamour
Neben den populären Klassikern zwischen «Carmen», «Traviata» und «La Bohème» sind Mozarts «Don Giovanni» und «Titus» – beide in Prag uraufgeführt – und die tschechische Oper Spielplan-Säulen des Narodní Divadlo, des Prager Nationaltheaters. Eine «Norma» hat es da schwer. Zumal die neue Produktion auf der Kippe stand: Daniel Dvorák, der das abstrakte Bühnenbild entworfen hatte, war während der Vorbereitungen als Operndirektor abgesetzt worden.
Die Probenarbeit haben solche Turbulenzen jedoch kaum beeinträchtigt: Bruno Berger-Gorski gelang die überzeugende Deutung einer tragischen, tödlich endenden Liebe aus Sicht der einzig Überlebenden – Adalgisa. Sie sitzt zu Beginn am Flügel und schlägt die Noten zu Bellinis Oper auf; am Ende sucht sie verzweifelt die Noten zu zerreißen – als ob sie damit den doppelten (Liebes-)Tod Normas und Polliones durch Gewehrkugeln in einem Flammenkreis verhindern und den Geliebten wie die Freundin retten könnte.
Dazwischen erzählt Berger-Gorski ein Kriegsdrama: Besatzer verbreiten mit Suchscheinwerfern, Gewehren und Hausdurchsuchungen Angst und Schrecken. Norma kann unter diesen Bedingungen die Folgen ihres Fehltritts (sie hat mit dem römischen «Feind» ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Am Schluss wird dann doch die bisher so manierlich mit Choristen und Solisten bevölkerte Treppenhaus-Bühne geflutet. Das Meerwasser bahnt sich ungehindert seinen Weg; über Stufen, Türschwellen und aus Wandöffnungen strömend – und – wir sind im doch so erhaltenswerten Théâtre du Capitole de Toulouse – auf wundersame Weise trotzdem nicht in den Orchestergraben...
In neuem Glanz erstrahlt die Anna-Amalia-Bibliothek, fast vergessen ist die horrible Brandnacht von vor drei Jahren. Anlässlich der Wiedereröffnung, deren Datum nicht zufällig mit dem Geburtstag der kunstsinnigen Herzogin von Braunschweig-Wolfenbüttel zusammenfiel, machte die Klassik-Stiftung einige Extra-Euros locker, um in würdevollem Rahmen der Regentin und...
Es war ein leiser Abschied. Nicht einmal Verehrer wussten davon. Ende 2003 zog sich Julia Varady vom Podium zurück. Auf der Opernbühne war sie schon Jahre zuvor nicht mehr aufgetreten. Nach vierzig Jahren öffentlichen Singens wollte sie sich aufs Unterrichten konzentrieren. In Frankreich warfen ihr die Zeitungen Blumen hinterher, in Deutschlands Musikszene wurde...
