Zu kurz gegriffen
Was immer man gegen Kirsten Harms, die viel gescholtene Intendantin der Deutschen Oper Berlin, sagen kann: Eines sollte man im Auge behalten. Die Deutsche Oper macht einen mutigen und eigenwilligen Spielplan. Wo andere Häuser auf den Barockzug aufspringen, längst entdeckte Meisterwerke «wiederentdecken» oder durch Kompositionsaufträge versuchen, historisch womöglich überlebte Facetten der Gattung Oper zu beleben, stellt die Deutsche Oper spannende Werke zur Diskussion, die man sonst nirgendwo sehen kann.
Die Dramaturgie des Hauses ist konsequent und könnte der Trend von morgen werden: Es geht ihr darum, das Erbe der bürgerlichen Oper um 1900 neu zu sichten, den europäischen Kontext deutlich zu machen, vor dem die Werke des Kernrepertoires entstanden sind, und dessen Schrumpfen entgegenzuwirken. Seit Kirsten Harms und ihr Chefdramaturg Andreas K. W. Meyer in Berlin wirken, ist die leidige Doubletten-Debatte verstummt. Das sollte man honorieren. Die Frage ist nur: Ist das Haus seinem Spielplan künstlerisch gewachsen?
Die Antwort nach der über dreistündigen Doppelpremiere «Cassandra»/ «Elektra» fällt zwiespältig aus. Vittorio Gnecchis 1905 von Arturo Toscanini in Bologna ...
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Unter den vielen Barockopern, die seit etwa dreißig Jahren auch klingend wieder entdeckt werden (Wissenschaftlern und Archivaren waren sie seit je bekannt), gehört Antonio Mazzonis «Il re pastore» zu den wirklich hörenswerten. Juan Bautista Otero hat sie mit der lebendig, pikant und blitzsauber musizierenden Real Compañía Ópera de Cámara 2006 unter dem Titel...
In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg hatte es die Oper schwer in Deutschland. Zwar wurden überall «Die Meistersinger» und «Fidelio» gespielt: Man suchte quasi mit lautem C-Dur nach Selbstvergewisserung. Doch wie konnten neue Stücke klingen? Die musikalische Sprache der Spätromantik war politisch missbraucht worden und obsolet; aber auch der Faden zu den Roaring...
Blättert man die aktuellen Monatsblätter deutschsprachiger Bühnen durch, drängt sich der Eindruck auf, dass die Kleinen inzwischen die Größten sind. Kein Haus, das es sich noch leisten könnte, den minderjährigen Nachwuchs bei der Programmgestaltung zu übergehen. Und die Angebotspalette ist so farbig wie bei den «Alten» – sie reicht von Bearbeitungen bekannter...
