Großes Herz, viel Humor, makellose Technik
Es ist nicht zuletzt ihr Schalk, der Montserrat Caballé unvergesslich macht. Als sie einmal in Köln die Marschallin im «Rosenkavalier» sang, galt deren am Ende des ersten Akts angekündigter Besuch beim Onkel Greifenklau nicht diesem, sondern einem Oheim Drachenfels (für Nicht-Rheinländer: So nennt sich ein beliebter Ausflugsort am Rhein nahe Bonn). Und als Salome behauptete sie schon mal, Jochanaans Hund geküsst zu haben.
Solche Anekdoten an den Anfang eines Nachrufs zu stellen, mag seltsam erscheinen. Doch hätte es die Caballé ganz sicher nicht als Pietätlosigkeit betrachtet.
Ihr Humor – begleitet von heftigem Kichern, das den Körper in konvulsivische Zuckungen versetzte – war ja legendär. Zugleich machte er sie so nahbar wie sonst kaum eine Diva der Opernwelt. Ihrer unprimadonnenhaften Herzlichkeit wegen wurde sie vom Publikum geliebt – und auch von den Sängerkollegen, was gerade auf diesem Terrain entschiedener Eitelkeit und Eifersucht fast wie ein Wunder erscheint.
In Rom hatte mal jemand «Stupenda» an ihre Garderobentüre geschrieben, eilig, in wackeligen, schüchternen Großbuchstaben, so, als wolle er sich bei dieser Geste herzlicher Verehrung nicht ertappen lassen. Es war ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2018
Rubrik: Abschied, Seite 36
von Gerhard Persché
Traurige Rheintöchter. Seit 1864, dem Jahr ihrer Geburt (im Wiener Kärtnertortheater war’s, unter dem leicht irreführenden Titel «Die Rheinnixen») sitzen sie auf ihrem Loreley-Felsen und warten darauf, dass man sie auf Frankreichs Bühnen bittet. Bislang vergebens. Gut möglich, dass jene Kräfte, die ihren Schöpfer Jacques Offenbach nicht als «französischen»...
Inge Borkh war die letzte Überlebende jener beeindruckenden Sopranistinnen-Riege, die zwischen 1950 und 1970 die Opernbühnen beherrschte. Wie keine zweite Sängerin, deren Kunst auf Tondokumenten festgehalten ist, war sie die Inkarnation von Strauss’ Elektra, einer Partie, die sie mehrere hundert Mal sang. «Frenetische Leidenschaft, erhabene Liebe, fantastischer...
Im Sommer hatte sich noch niemand aus der Deckung getraut. Die Vorwürfe gegen Gustav Kuhn, Gründer und Prinzipal der Tiroler Festspiele Erl, waren massiv: sexuelle Übergriffe, Mobbing, Machtmissbrauch. Öffentlich gemacht hatte sie der Blogger Markus Wilhelm – ohne seine Quellen zu nennen. Mit mehreren Klagen versuchten Kuhn und die Festspiele, Wilhelm zum...
