Ungereimt
Traurige Rheintöchter. Seit 1864, dem Jahr ihrer Geburt (im Wiener Kärtnertortheater war’s, unter dem leicht irreführenden Titel «Die Rheinnixen») sitzen sie auf ihrem Loreley-Felsen und warten darauf, dass man sie auf Frankreichs Bühnen bittet. Bislang vergebens.
Gut möglich, dass jene Kräfte, die ihren Schöpfer Jacques Offenbach nicht als «französischen» Komponisten verstanden wissen wollen (oder ihn, in der Nachfolge des bekennenden Antisemiten Richard Wagner, bewusst geringschätzten), so dominant waren, dass ihr Veto genügte, um dieses schillernde, für die Offenbach-Rezeption maßgebliche Werk zu verhindern. Die große romantische Oper «Les Fées du Rhin» wurde nach ihrer Erstaufführung 2002 im Cankarjev Dom zu Ljubljana lediglich in Trier, Bremerhaven, Budapest und Cottbus (halbszenisch) gezeigt; Montpellier – wo die einzige bisher verfügbare Aufnahme entstand –, Lyon und die New Sussex Opera brachten immerhin konzertante Aufführungen zuwege. Schon deswegen gebührt der Opéra de Tours höchster Respekt. Sie brachte – in einer Koproduktion mit dem Theater Orchester Biel Solothurn – «Les Fées du Rhin» nun als erstes Haus in französischer Originalversion heraus, auf Basis der von ...
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Opernwelt November 2018
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Jürgen Otten
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Der Prinz und die Wassernixe, Mensch und Naturwesen, die gegen alle Fantasie abgestumpfte reale Welt gegen das naive Märchenreich: So einfach funktioniert Antonín Dvořáks «Rusalka» nicht mehr. Des Tschechen letzte Oper, zwar noch als «lyrisches Märchen» deklariert, wurde 1901 uraufgeführt. Etwa zeitgleich entstanden sowohl Sigmund Freuds «Traumdeutung» (1900) als...
Inge Borkh war die letzte Überlebende jener beeindruckenden Sopranistinnen-Riege, die zwischen 1950 und 1970 die Opernbühnen beherrschte. Wie keine zweite Sängerin, deren Kunst auf Tondokumenten festgehalten ist, war sie die Inkarnation von Strauss’ Elektra, einer Partie, die sie mehrere hundert Mal sang. «Frenetische Leidenschaft, erhabene Liebe, fantastischer...
