Alles geschieht nur in seinem Kopf

Ingo Kerkhof inszeniert Verdis «Macbeth» in Heidelberg als eindrückliches Kammerspiel, Mino Marani zaubert einen weichen, ausgefeilten Klang herbei

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Natürlich kann man sagen, dass Macbeth dergleichen mit einer anderen Frau an seiner Seite nicht passiert wäre. Vor allem hätte er einfach nur abwarten müssen. Es läuft ja ohnehin schon alles in seine Richtung, sein vermeintlich unaufhaltsamer Aufstieg hat längst begonnen. Macbeth jedoch ist zu ungeduldig. Immerhin hat er nachher den Anstand, das nicht seiner einflussreichen Frau anzulasten.

Im Gegenteil: Während die Lady die Nerven verliert, geht der Königsmörder sehenden Auges seinem Ende entgegen, von den Hexen erneut genarrt, dennoch weniger passiv als über weite Strecken des Geschehens. Auge in Auge zu kämpfen, das entspricht auch weit mehr seinem beruflichen Profil als Tyrannei und Meuchelmord.

Die finstere Geschichte des schottischen Aristokraten, der ein anständiger Soldat war und innerhalb einer Theater- oder Opernstunde zum grausigen Machthaber mutiert, hat gegenwärtig – vielleicht weil es seit ein paar Jahren eine Gegenwart aufkommender Tyranneien und dubioser Selbstermächtigungen ist – wieder einen Lauf. Vor der Deutschen Oper Berlin im November (Regie: Marie-Ève Signeyrole) und der Oper Frankfurt Anfang Dezember (R. B. Schlather) war jetzt Premiere am Theater ...

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Opernwelt Dezember 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Judith von Sternburg

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