Alles geschieht nur in seinem Kopf
Natürlich kann man sagen, dass Macbeth dergleichen mit einer anderen Frau an seiner Seite nicht passiert wäre. Vor allem hätte er einfach nur abwarten müssen. Es läuft ja ohnehin schon alles in seine Richtung, sein vermeintlich unaufhaltsamer Aufstieg hat längst begonnen. Macbeth jedoch ist zu ungeduldig. Immerhin hat er nachher den Anstand, das nicht seiner einflussreichen Frau anzulasten.
Im Gegenteil: Während die Lady die Nerven verliert, geht der Königsmörder sehenden Auges seinem Ende entgegen, von den Hexen erneut genarrt, dennoch weniger passiv als über weite Strecken des Geschehens. Auge in Auge zu kämpfen, das entspricht auch weit mehr seinem beruflichen Profil als Tyrannei und Meuchelmord.
Die finstere Geschichte des schottischen Aristokraten, der ein anständiger Soldat war und innerhalb einer Theater- oder Opernstunde zum grausigen Machthaber mutiert, hat gegenwärtig – vielleicht weil es seit ein paar Jahren eine Gegenwart aufkommender Tyranneien und dubioser Selbstermächtigungen ist – wieder einen Lauf. Vor der Deutschen Oper Berlin im November (Regie: Marie-Ève Signeyrole) und der Oper Frankfurt Anfang Dezember (R. B. Schlather) war jetzt Premiere am Theater ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Judith von Sternburg
Regisseur Ralf Westhoff gab seinen Paaren seinerzeit fünf Minuten. Zum Befragen und Beschnuppern zwecks möglichem Funkenflug. Schließlich das Signal – und der Mann sitzt vor einer neuen Frau. «Shoppen», hieß der Film, und nicht viel anders funktioniert das, was Jonas Kaufmann nun auf Silberscheibe brennen ließ. Ein Speed-Dating in Sachen Puccini. «Love Affairs» ist...
Bekanntermaßen gingen zigtausende Partituren im Meer des Vergessens verloren. Seit Felix Mendelssohns Wiederaufführung der «Matthäus-Passion» ist die Erforschung und Veröffentlichung versunkener Schätze ein Merkmal der globalen Musikkultur. Wobei unvermeidlich auch viel Treibgut angespült wird. «Satanella or The Power of Love», die 1858 uraufgeführte, jetzt...
Mit einer einzigen Geste ist Caroline Unger, die 1824 bei der Uraufführung von Beethovens Neunter die Alt-Partie sang, in die Musikgeschichte eingegangen. Sie soll den ertaubten Komponisten zum Publikum umgedreht haben, damit er den Beifall, wenn schon nicht hören, so doch wenigstens sehen konnte. Bereits 1821 hatte Unger in Wien in Rossinis «La gazza ladra»...
