Grenzerfahrung
Die Verehrung einer alternden Frau für einen deutlich jüngeren Liebhaber wird noch heute, zumal vom männlichen Geschlecht, nicht selten süffisant belächelt. Zu Zeiten von Englands erster Langzeitkönigin – Elisabeth I. war zugleich letzter dynastischer Spross der Tudors – muss die Neigung mindestens boshafte Blicke ausgelöst haben. Fraglos kam da auch gemeines Getuschel als Gossip hinzu sowie die für eine Monarchie überaus relevante Frage, wie denn bei derartiger Neigung der Fortbestand des Königreichs gesichert werden könne.
Im Falle jener «Virgin Queen», die als Elisabeth I. anno 1603 knapp 70-jährig kinderlos starb und dennoch einem ganzen Zeitalter der Kunst, Musik und Literatur ihren Namen lieh, war die Familiengründung freilich schon seit einer halben Ewigkeit ad acta gelegt. Doch wie wird sie sich in ihrem Hofstaat die Autorität gesichert haben? Wie reagierte sie auf subtile Anfeindungen? Wie schützte sie sich vor den Verwundungen ihrer Seele durch buckelnde Hofschranzen, durch allein ihren eigenen Vorteil suchende Generäle?
Mariame Clément und ihre Ausstatterin Julia Hansen brauchen für ihre klug-subtile Zeichnung der am Ende tragisch scheiternden Königin in Genf keine ...
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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Peter Krause
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Sie läuft wie ein offenes Messer durch die Welt: Das kann man auch von Déjanire sagen, aber das Messer hat einen Zackenschliff. Begleitet von einem fallenden Viertonmotiv, in dem ein Tritonus von zwei verminderten Quarten gerahmt wird, erscheint die aufs Höchste alarmierte Noch-Ehefrau des großen zivilisatorischen Helden am Ende des ersten Akts, nachdem auf der...
An Pina Bausch kommt man auch in Braunschweig nicht vorbei. Wenn im Programmheft auch nicht von ihr die Rede ist, lässt sich das Bühnenereignis doch kaum ohne ihre Vorarbeit denken. 1977 beschäftigte sie sich in Wuppertal mit Bartóks Operneinakter – das Ergebnis ihrer Recherche ist unter dem Titel «Blaubart. Beim Anhören einer Tonbandaufnahme von Bartóks Oper...
