Grandseigneur mit feinem Geschmackssinn
Seine letzte Regiearbeit war vielleicht seine schwierigste. Nachdem Romeo Castellucci und das Théâtre La Monnaie ihre Zusammenarbeit beendet hatten, weil man sich nicht über Budgets und/oder inhaltliche Fragen einigen konnte, sprang Pierre Audi couragiert ein und inszenierte die beiden letzten Teile von Wagners «Ring».
Und wie es seiner Art, Kunst zu denken und sie bildmächtig zu beglaubigen, entsprach, strotzten «Siegfried» und die «Götterdämmerung» zwar nicht vor genialischen oder gar revolutionären Ideen (was dazu führte, dass dieser Brüsseler «Ring» als eine Art geteilter Himmel in die Operngeschichte eingehen wird), aber sie waren das, was so viele Arbeiten von Pierre Audi zuvor auch gewesen waren: durchdacht, solide, geschmackvoll, mit feinem Sinn fürs Dekorative. Fans des radikalen Regietheaters mochten das als allzu bieder empfinden, für Anhänger einer (im besten und buchstäblichen Sinne) konservativen Grundhaltung war es hingegen ein Gewinn.
Ohnehin verstand sich Audi seit jeher wohl doch mehr als Theatermacher, denn als innovativer Bühnenabendzauberer. 1979, nach seinem Studium in Oxford, gründete der gebürtige Libanese in London das Almeida Theatre sowie das ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Magazin, Seite 86
von Jürgen Otten
La Monnaie» begibt sich für die Opernnovität ins «Theâtre National de Wallonie». Was naheliegt, denn Michael De Cock, der Chef des Hauses für die frankophonen und frankophilen Belgier, fungiert als Librettist. Sein Text greift auf ein im Verein mit Carme Portaceli verfasstes Stück zurück. Nicht Flauberts Roman hat also den Weg zur Oper direkt vorgezeichnet, der...
Am Anfang einer langen Geschichte steht die Toccata für fünf Kornett-Stimmen, Generalbass und sicher auch Schlaginstrumente, die Monteverdi seinem «Orfeo» voranstellte und deren dreimaliger Auftritt «ein unkonzentriertes, lärmiges Publikum dazu bringen sollte, zumindest leiser zu reden». Knapp vier Jahrhunderte später eröffnet György Ligeti seine Oper «Le Grand...
Oper? Tanztheater? Tragödie? Oder gar Comedy? Franck Chartier würde vermutlich nie nein sagen. Formal gesehen firmiert seine Inszenierung von Purcells «Dido and Aeneas» als Debüt in der Musiktheaterregie: für die Opernhäuser in Genf, Lille und Luxembourg. Und jetzt eben Basel. Doch das Ergebnis lässt sich erst mal schwer greifen. So wie der Sand, den es im Laufe...
