Grandseigneur mit feinem Geschmackssinn
Seine letzte Regiearbeit war vielleicht seine schwierigste. Nachdem Romeo Castellucci und das Théâtre La Monnaie ihre Zusammenarbeit beendet hatten, weil man sich nicht über Budgets und/oder inhaltliche Fragen einigen konnte, sprang Pierre Audi couragiert ein und inszenierte die beiden letzten Teile von Wagners «Ring».
Und wie es seiner Art, Kunst zu denken und sie bildmächtig zu beglaubigen, entsprach, strotzten «Siegfried» und die «Götterdämmerung» zwar nicht vor genialischen oder gar revolutionären Ideen (was dazu führte, dass dieser Brüsseler «Ring» als eine Art geteilter Himmel in die Operngeschichte eingehen wird), aber sie waren das, was so viele Arbeiten von Pierre Audi zuvor auch gewesen waren: durchdacht, solide, geschmackvoll, mit feinem Sinn fürs Dekorative. Fans des radikalen Regietheaters mochten das als allzu bieder empfinden, für Anhänger einer (im besten und buchstäblichen Sinne) konservativen Grundhaltung war es hingegen ein Gewinn.
Ohnehin verstand sich Audi seit jeher wohl doch mehr als Theatermacher, denn als innovativer Bühnenabendzauberer. 1979, nach seinem Studium in Oxford, gründete der gebürtige Libanese in London das Almeida Theatre sowie das ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Magazin, Seite 86
von Jürgen Otten
Das falsche Stück zur falschen Zeit am falschen Ort: So lautet das traurige Fazit nach der Uraufführung von «Adam und Eva» zur Eröffnung der diesjährigen Schwetzinger SWR-Festspiele. Angekündigt war Mike Svobodas Musiktheater nach dem gleichnamigen Schauspiel des einstigen Erfolgsautors Peter Hacks, der 1955 aus politischer Überzeugung von der BRD in die DDR...
Die Machos können beruhigt sein. Männer am Herd, Frauen an der Macht, dies sogar mit einer Generalin an der Spitze, so etwas bleibt beschränkt auf eine Enklave im Ozean. Zumindest in jener «verdrehten Welt», die Antonio Salieri auf ein Libretto von Caterino Tommaso Mazzolà imaginierte. «Il mondo alla rove -scia» heißt der Zweieinhalbstünder im Original und...
Das Geraune war einigermaßen groß in der Gelehrtenrepublik, seinerzeit, kurz vor der Jahrtausendwende, als die Staatsoper Stuttgart einen neuen «Ring» annoncierte, doch eben nicht irgendeinen. Gleich vier Regieteams, so sah es der kühne, aber dramaturgisch durchdachte Plan des Intendanten Klaus Zehelein vor, sollten sich der Tetralogie annehmen – vermutlich nicht...
