Gottes Wort und Henry Ford
In allgemein schwieriger Lage feiert Dessau seinen großen Sohn Kurt Weill ausgelassen und optimistisch. Immerhin begann die 13. Auflage der Festivitäten (die jährlich rund 9000 Zuschauer anziehen) gleich mit einem «Happy End» – jenem nämlich, das Weill 1929 auf Song-Texte Bertolt Brechts komponierte. Dass dazu auch ein gleichnamiges Theaterstück existiert, ist weniger bekannt: Elisabeth Hauptmann schrieb diese Hollywood-Parodie nach einer Fabel Brechts unter dem Pseudonym Dorothy Lane.
Das nicht ganz zu Unrecht vergessene Werk liest sich heute wie eine Vorstudie zu Brechts (kaum besserer) «Heiliger Johanna der Schlachthöfe»: Mit erhobenem linkem Zeigefinger doziert es simple Dialektik. Brecht fielen dazu Verse ein, in denen sich «Gottes Wort» auf «Henry Ford» reimt. Fast meint man, Hochhuths McKinsey komme.
Umso erstaunlicher, dass mit solch einem Opus das Publikum des Anhaltischen Theaters Dessau bei Laune zu halten ist. Die Eröffnungspremiere jedenfalls wurde von schenkelklopfenden Zuschauern höchst vergnügt zur Kenntnis genommen – was weniger an der schwer erkennbaren Regie Herbert Olschoks als an der beachtlichen Leistung des Dessauer Schauspielensembles gelegen haben ...
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Vor dem schwarzen Vorhang das Vorspiel, von Dirigent Guido Mancusi betriebsam abgewickelt: Schicksalsmotiv der alten Gräfin, galoppierende Bläsersynkopen, das zerbröckelnde Liebesthema, der Nihilismus des «Pathethique»-Schlusses. Autobiografische Züge; eine jener musikalischen Masken, die der Komponist sich aufsetzte, um zu überleben.
Wenn der Lappen hochgeht und...
Merkwürdig – vielleicht beschreibt dieses abgenutzte Kompositum seine Aura am treffendsten. Die Vita und die Kunst eines Mannes, der im Puls seiner Heimat, der mährischen Provinz an der Grenze zur Slowakei, die Umrisse einer neuen Musik entdeckte. Merkwürdig im Wortsinn ist nicht nur das an schrulligen Wendungen reiche Leben des unsteten Einzelgängers, der oft Mühe...
Der Mann hatte viel um die Ohren. Sechsunddreißig Kinder im wirklichen Leben. Allerdings nur sechzehn auf der Bühne – «die unehelichen nicht eingerechnet», wie es heißt. Pali Rácz, der alte Zigeunerprimas – im wahrsten Wortsinne –, ist der Protagonist jener Operette, die Emmerich Kálmáns Durchbruch als Bühnenkomponist im Jahre 1912 bedeutete. Rácz, dessen...
