Volkes Stimme
Die Demonstranten haben ein gewichtiges Anliegen. Stumm betreten sie mitten im Finale des «Fidelio»-Finales die Bühne des Nationaltheaters Weimar und halten dem Publikum ihre selbst gemalten Plakate und Transparente entgegen: «Stirbt Thüringens größter Indoor-Fasching?» und «Rettet unsere Uni-Mensa!» lauten die Fragen und Forderungen, die ihnen auf der Seele brennen. Echte Probleme gewiss, aber doch wohl nicht ganz das, was sich Regisseur Thilo Reinhardt für seine Neuinszenierung des Beethoven-Klassikers erhofft hatte.
Denn die Unterbrechung ist in diesem Fall kein kurz entschlossener Akt eines übermütigen Studentenhaufens, sondern Teil der Aufführung: Schon lange im Vorfeld hatte das Theater Kontakt mit Organisationen aufgenommen, die für eine – irgendwie – bessere Welt kämpfen. Von Attac über Greenpeace bis zu den örtlichen Arbeitslosencafés: Jeder sollte die Möglichkeit haben, auf der Bühne seinen Protest über soziale und gesellschaftliche Benachteiligung frei herauszuschreien – frei nach dem Skandal machenden «Webern» am Dresdner Schauspiel, wo Volkes Stimme mit Aufrufen unter anderem zur Eliminierung von Sabine Christiansen oder Foltervorschlägen für das «Kanzlerschwein» ...
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Die permanente Androhung von Missbrauch, Vergewaltigung und Mord kann Menschen mürbe machen. Auch Cleopatra ist am Ende von Händels «Giulio Cesare» schier wahnsinnig geworden vor Todesangst und kann ihre letzte Arie nur scheinbar fröhlich trällern – wie ein Kind, das es schaudert, in den Keller zu gehen. Diese Cleopatra zittert am ganzen Leib, will sich nicht...
Vor dem schwarzen Vorhang das Vorspiel, von Dirigent Guido Mancusi betriebsam abgewickelt: Schicksalsmotiv der alten Gräfin, galoppierende Bläsersynkopen, das zerbröckelnde Liebesthema, der Nihilismus des «Pathethique»-Schlusses. Autobiografische Züge; eine jener musikalischen Masken, die der Komponist sich aufsetzte, um zu überleben.
Wenn der Lappen hochgeht und...
