Volkes Stimme

Weimars Oper öffnet die Bühne

Opernwelt - Logo

Die Demonstranten haben ein gewichtiges Anliegen. Stumm betreten sie mitten im Finale des «Fidelio»-Finales die Bühne des Nationaltheaters Weimar und halten dem Publikum ihre selbst gemalten Plakate und Transparente entgegen: «Stirbt Thüringens größter In­door-Fasching?» und «Rettet unsere Uni-Mensa!» lauten die Fragen und Forderungen, die ihnen auf der Seele brennen. Echte Probleme gewiss, aber doch wohl nicht ganz das, was sich Regisseur Thilo Reinhardt für seine Neuinszenierung des Beethoven-Klassikers erhofft hatte.

Denn die Unterbrechung ist in diesem Fall kein kurz entschlossener Akt eines übermütigen Studentenhaufens, sondern Teil der Aufführung: Schon lange im Vorfeld hatte das Theater Kontakt mit Organisationen aufgenommen, die für eine – ­irgendwie – bessere Welt kämpfen. Von Attac über Green­peace bis zu den örtlichen Arbeitslosencafés: Jeder sollte die Möglichkeit haben, auf der Bühne seinen Protest über soziale und gesellschaftliche Benachteiligung frei herauszuschreien – frei nach dem Skandal machenden «Webern» am Dresdner Schauspiel, wo Volkes Stimme mit Aufrufen unter anderem zur Eliminierung von Sabine Christiansen oder Foltervorschlägen für das «Kanzlerschwein» ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2005
Rubrik: Kommentar, Seite 72
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
Weitere Beiträge
Nie war Theater so kostbar wie heute

Herr Pflegerl, der moderne Zubau des Klagenfurter Theaters sieht in abend­licher Beleuchtung aus wie das Heck des Traumschiffs, wenngleich Ihnen als Kapitän keineswegs nach Vergnügungsfahrt zumute sein dürfte.
Es ist knapp vor der Hafeneinfahrt. Nach dem letzten Coup unserer unnachahm­lichen Kulturpolitik bleibt mir eigentlich nichts anderes übrig, als mit dem...

Liebestod à la greque

Das Opernleben in Griechenland ist jenseits der Landesgrenzen fast so unbekannt wie der Name des griechischen Opernkomponisten Pavlos Carrer oder auch Paolo Carrer (eigentlich Carreris). Er zählt zu jenen Komponisten, an denen das Italien der Verdi-Zeit reich war. Kaum eine Enzyklopädie verzeichnet auch nur seinen Namen, obwohl Carrer immerhin sechs Opern...

«Wir sind da, um kreativ zu sein»

«Ihre gedichte sind schön, und traurig, aber die idioten, selbst leute, die so tun, als ob sie ‹verstünden›, verstehen nicht.» Diese Zeilen, noch während der Tagung der Gruppe 47 Ende Oktober/Anfang November 1952 auf Burg Berlepsch geschrieben, markieren den Beginn der Freundschaft zweier damals gerade sechsundzwanzigjähriger Künstler, der Dichterin Ingeborg...